Zur verständlichen Vermittlung von Fachwissen im Recht

Ingrid Simonnæs
12.09.2018, 9.45 Uhr-10.30 Uhr, S06 XX, Symposium IV

In der modernen Fachsprachenforschung werden heute Texte in toto untersucht – statt wie in den Anfängen der Fachsprachenforschung speziell nur die Terminologie – und zwar unter kommunikativen und funktionalen Gesichtspunkten, mit anderen Worten ein viel breiteres Herangehen Die Analysen von syntaktischen und semantischen Merkmalen auf Wort-, Satz- und Textebene zielen darauf ab, die spezifischen Merkmale zu beschreiben, mit denen das betreffende Fachwissen sprachlich repräsentiert und vermittelt wird. Es geht also darum, u erforschen, mit welchen Mitteln sich der Textproduzent auf seine Rezipienten einstellt bzw. einstellen kann.

Wenn es darum geht, Rechtstexte mit Blick auf die Vermittlung von juristischem Fachwissen zu analysieren, so hat Rudolph von Ihering, der für seinen Einfluss auf das deutsche Privatrecht bekannte deutsche Rechtswissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert, ein bekanntes Diktum geprägt, dass der Gesetzgeber wie ein Philosoph denken, aber wie ein Bauer reden solle. Hiermit zielt Ihering genau auf das zentrale Anliegen, wie Fachwissen im Recht verständlich vermittelt werden sollte. Da das Recht (Recht im objektiven Sinne) viele Aspekte beinhaltet, und es je nach gewähltem Kriterium vielerlei Arten von Rechtstexten gibt (u.a. Šarčević 2012: 189f.; Busse 2000: 669 ff. und Prieto Ramos 2014: 265), soll für den Zweck dieses Beitrags das Recht auf Gesetzestexte und dabei wiederum auf einige Auszüge aus zentralen Kodifikationen, wie das BGB und das StGB, beschränkt bleiben. Die Begründung für diese Wahl ist, dass in einer früheren Arbeit (Simonnæs 2005) bereits die Verständlichkeit von Termini als sprachliche Ausdrucksseite für die dahinterstehenden Begriffe in Auszügen aus Strafurteilen, in denen auf die relevanten Gesetzesquellen rekurriert wird, untersucht worden ist. Dem soll nun eine Analyse einer Auswahl an Vorschriften aus dem BGB folgen zwecks Vergleichs hinsichtlich der Herausforderung an die verständliche Vermittlung von juristischem Fachwissen, das aus diesen Texten herausgefiltert werden kann.

 

Literatur
Busse, Dietrich (2000): "Textsorten des Bereichs Rechtswesen und Justiz". In: Brinker, Klaus / Antos, Gerd / Heinemann, Wolfgang / Sager, Sven F. (Hrsg.). Text- und Gesprächslinguistik. Linguistics of Text and Conversation. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung - An International Handbook of Contemporary Research. 1. Halbbd. Berlin - New York: de Gruyter. 658-675.

Prieto Ramos, Fernando (2014): "Legal Translation Studies as Interdiscipline: Scope and Evolution". In: Meta, Translators Journal 59 (2). 260-277.

Šarčević, Susan (2012): "Challenges to the legal translator". In: Tiersma, Peter M. / Solan, Lawrence M. (eds). The Oxford Handbook of Language and Law.  Oxford: Oxford University Press. 187-199.

Simonnæs, Ingrid (2005): Verstehensprobleme bei Fachtexten. Zu Begriffssystemen und Paraphrasen als Visualisierungs- bzw. Verbalisierungsinstrumente in der Kommunikation zwischen Fachmann und Laien. Eine Untersuchung anhand gerichtlicher Entscheidungen. Frankfurt /M.: Lang.