Wortschatzwandelprozesse im Spiegel: Wie durch Exploration quantitative Ergebnisse transparenter werden können

Sascha Wolfer, Alexander Koplenig & Carolin Müller-Spitzer
13.09.2018, Poster-Session

Die empirische Wende, die zu einer breiten Neuaufstellung der linguistischen Forschung führte, hat unter anderem großen Einfluss auf die Werkzeuge, die in der linguistischen Forschung zum Einsatz kommen. Gerade die quantitative Auswertung von Sprachdaten erfordert statistische Verfahren, die dazu geeignet sind, in immer größer werdenden Datenmengen belastbare Effekte zu finden. Solche statistischen Verfahren können – oft verbunden mit der Komplexität der wissenschaftlichen Fragestellung – für Laien oder eher qualitativ arbeitende SprachwissenschaftlerInnen recht undurchschaubar sein. Eine Aufgabe quantitativ arbeitender LinguistInnen besteht daher in der adäquaten Vermittlung ihrer Erkenntnisse. In den meisten Fällen müssen sich die RezipientInnen popularisierter Aufbereitungen quantitativ-linguistischer Erkenntnisse dabei auf die Interpretationen der Forschenden verlassen, ohne selbst die Möglichkeit zu haben, die zugrunde liegenden Daten zu explorieren.

Wir stellen eine Webanwendung vor, die im Bereich der quantitativen Wortschatz(wandel)analyse diese Brücke zwischen den RezipientInnen quantitativer Forschungsergebnisse und den Daten selbst schließen soll. Die Webanwendung „Wortschatzwandel im Spiegel“ ermöglicht es dem interessierten Laien sowie quantitativ nicht oder wenig vorgebildeten Forschenden, den Wortschatz des „Spiegels“ im Hinblick auf Neologismen und Archaismen zu durchforsten.

Die Grundidee ist dabei, eben keine vorgefertigten Analysen zu präsentieren, sondern den BenutzerInnen selbst die Gelegenheit zu geben, bestimmte Kriterien in Form von Parametern festzulegen, anhand derer die komplette Datenbasis in Echtzeit durchsucht wird. Die Ergebnisse der jeweiligen Abfragen werden dann automatisch graphisch aufbereitet und können weiter exploriert werden. Durch die Anbindung an eine große Korpusplattform haben die BenutzerInnen außerdem die Möglichkeit, über KWIC-Ansichten der gefundenen Wörter einen besseren Eindruck von den Verwendungsweisen neu hinzukommender oder aussterbender Wortformen im Spiegel zu erhalten.

Im Sinne der Ausschreibung des Symposiums kann durch die Anwendungen u.a. auf spielerische Weise eine methodologische Reflexion angestoßen werden, denn bei fast allen quantitativen Auswertungen ist die Setzung bestimmter (Modell-)Parameter inhärenter Bestandteil, der zwar für die entsprechende Forschungsgemeinschaft selbstverständlich ist, deren Folgen oft nicht transparent genug sind. Hier setzen die AnwenderInnen selbst die entsprechenden Parameter und sehen unmittelbar, welche Auswirkungen diese auf die Ergebnismengen haben oder ggf. eben nicht.