Winterthurer Ansätze II: Stromtrassen und verkabelte Autobahnen. Die transtextuelle Funktion metaphorischer Konzepte in der "Energiewende"

Ulla Kleinberger
12.09.2018, 15.45 Uhr-16.30 Uhr, S06 XX, Symposium V

Einer der umstrittenen Punkte der "Energiewende" ist europaweit der Ausbau stabiler, funktionstüchtiger und maximal effizienter Stromwege, der sogenannten Stromtrassen (die umgangssprachlich auch als "Stromautobahnen" bezeichnet werden). Sicherzustellen sind neben den Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen auch Kompatibilitäten zwischen europäischen und aussereuropäischen Ländern und innerhalb von einzelnen Nationalstaaten. Der Ausbau und die Neuinstallationen stossen bei der Bevölkerung regelmässig auf Widerstand und Ängste. Die Angst vor "Elektrosmog" (Kleinberger 2009), "Magnetfeldern" und anderen "Kräften" ist ausgeprägt. Landentwertung durch das Aufstellen von Hochspannungsmasten oder durch unterirdische Verkabelung der "Höchstspannungskabel", ähnlich wie Landenteignungen zugunsten einer gesicherten Energieversorgung, lässt die Gruppe der GegnerInnen der Stromtrassen anwachsen.

Für die vier- und vielsprachige Schweiz ist dies eine besondere Herausforderung (siehe Rosenberger/Kleinberger 2017), da Diskurspositionen gleich in mindestens vier und weiteren Sprachen diskutiert und von einer in die andere Region transferiert werden müssen. Ziel der hier vorgestellten Studie ist es, in einem thematisch begrenzten Bereich (Höchstspannungsleitungen, Trasses) ein Netz von konzeptuellen Metaphern auszuarbeiten und deren textkonstituierende Wirkungen zu untersuchen. Dabei liegt die Aufmerksamkeit besonders auch auf der Anschlusskommunikation in öffentlichen Medien (bspw. in TV-Diskussionssendungen).

Erwartbar sind kognitive Konzepte aus dem Bereich des Strassen- und Schienenverkehrs. Das konzeptuelle Feld ist indes vielfältiger. Über bildprägende Einheiten aus dem Sport ("Ertüchtigung alter Stromtrassen"), aus der Natur ("Stromtrassen ... überflüssig"; "Monstertrasse") und aus weiteren Bereichen wird der Diskurs geprägt und gesteuert, werden Argumentationspositionen gefestigt und (zukünftige) Perspektiven installiert. Die Untersuchung ist für öffentliches Handeln insofern relevant, als ein Netz an Energieverschiebewegen über die Schweiz und Europa gelegt wird, so dass es für Unternehmen, Städte und Gemeinden ebenso wie für Privatpersonen wichtig ist zu erkennen, mit welchen Konzepten diese Projekte beschrieben und begründet werden, und inwiefern bzw. unter welchen Bedingungen ein Transfer dieser Konzepte in unterschiedliche Sprachen und soziale Gruppen möglich ist. Im Rahmen dieser Präsentation wird ein Einblick in diese Arbeit geboten.