„Wenn dir die Wörter fehlen“ - Korpuslinguistische Ansätze zur Erstellung wortschatzdidaktischer Lernumgebungen

Lea Hoffmann/Marc Kleinheyer
13.09.2018, Poster-Session

Obwohl Wortschatzerwerb nicht mit dem Eintritt in die Sekundarstufe aufhört und im Prinzip lebenslang währt, findet Wortschatzarbeit kaum über den Primarbereich hinaus statt (vgl. Steinhoff 2013, 12). Mit dem Projekt „Wenn dir die Wörter fehlen“ entsteht ein korpuslinguistisch fundiertes, niederschwellig aufgebautes und einfach anwendbares Online-Tool, das als Open Educational Resource für Lehrende und Lernende frei zugänglich sein und etwa 30.000 bis 40.000 Einträge umfassen wird. Der Lernansatz ist angepasst an das Wissen über den Aufbau des Mentalen Lexikons und bedient sich multimodaler und multimedialer Materialien, um eine Erweiterung des Wortschatzumfangs und der Worschatztiefe anzustoßen und damit außerdem unterschiedliche Lernertypen und Interessen anzusprechen. Der zugrundeliegende Wortschatz richtet sich, angelehnt an das oben aufgerissene Desiderat, an Schülerinnen und Schüler am Ende der Sekundarstufe I.

Da auch Phraseme einen wichtigen Bestandteil des Sprachbestands darstellen, integriert das vorliegende Projekt im Rahmen eines Dissertationsvorhabens phraseologische Ansätze zur Wortschatzförderung (vgl. Mückel 2015, 2070f). Auf Basis eines auf die Zielgruppe angepassten Korpus werden signifikante Kookkurrenzen aufgespürt und eine Auswahl von etwa 1.000 Phrasemen und Kollokationen vor dem Hintergrund phraseodidaktischer Forschung ausgewählt. Ein nächster Schritt wird die lernergerechte Aufbereitung innerhalb des Online-Tools sein.

In einem zweiten Dissertationsvorhaben soll ein System von Kategorien für die Messung der relativen Komplexität der Lexeme innerhalb des erfassten Wortschatzes entwickelt werden. Die enge Begrenzung der Fokusgruppe auf Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 an Gymnasien in NRW erlaubt dabei die Annahme einer größtmöglichen Überschneidung der individuellen Wortschätze. Zur Erweiterung bestehender Testverfahren wie dem Lixtest soll mit der entstehenden Einordnung der Wörter eine Bewertung der Leseverständlichkeit von Texten, basierend auf der durchschnittlichen Schwere der verwendeten Wörter, ermöglicht werden. Ziel dabei ist die Anwendung auf Unterrichtsmaterialien für die genannte Fokusgruppe, sodass eine zielgerichtete Auswahl geeigneter Texte möglich wird.

 

Literatur
Mückel, Wenke (2015): Phraseologische Arbeit als Wortschatzarbeit im muttersprachlichen Deutschunterricht? In: Kilian, Jörg/Eckhoff, Jan (Hrg.): Deutscher Wortschatz – beschreiben, lernen, lehren. Beiträge zur Wortschatzarbeit in Wissenschaft, Sprachunterricht, Gesellschaft. Frankfurt, S. 257 – 277.

Steinhoff, Torsten (2013): Wortschatz – im Zentrum von Sprachgebrauch und Kompetenzförderung. In: Gailberger, Steffen/Wietzke, Frauke (Hg.): Handbuch Kompetenzorientierter Deutschunterricht. Weinheim/Basel, S. 12-29.