Private, nicht öffentliche und öffentliche Kommunikation mit dem Smartphone – alter Wein in neuen Schläuchen?

Christa Dürscheid
12.09.2018, 9.00 Uhr-9.45 Uhr, in S06 XX, Symposium I

Ein Buch von Gertrud Lehnert aus Jahr 1999 trägt den Titel „Mit dem Handy in der Peepshow: die Inszenierung des Privaten im öffentlichen Raum“. Wie zu vermuten, geht es in diesem Essay um das (für die Mithörenden meist lästige) Telefonieren mit dem Handy in der Öffentlichkeit. Heute, fast 20 Jahre später, gebrauchen wir das Handy nicht mehr nur (bzw. immer weniger) zum Telefonieren, weitaus häufiger sind andere Nutzungsvarianten: Wir verschicken Text- oder Sprachnachrichten (z.B. in WhatsApp), wir nutzen standortbasierte Applikationen wie Jodel und Tinder oder laden Fotos hoch, die wir gerade erst aufgenommen haben (z.B. von unserem Abendessen) – um nur einige Beispiele zu nennen. Hat sich dadurch das Verhältnis von Privatheit, Nicht-Öffentlichkeit und Öffentlichkeit, das ich in einem Aufsatz aus dem Jahr 2007 mit Bezug auf das Internet beschrieben habe, verändert? Oder ist nur die Internetnutzung eine andere geworden, da diese inzwischen auch über mobile Endgeräte möglich ist? Im Vortrag werde ich dieser Frage unter zwei Gesichtspunkten nachgehen: Zum einen werde ich die Smartphone-Kommunikation mit der Nutzung alter Mobilfunkgeräte vergleichen, zum anderen mit der nicht-mobilen Internetkommunikation, wie sie im Jahr 2007 die einzig übliche war. Dabei beziehe ich mich sowohl auf die schriftbasierte als auch auf die mündliche Interaktion via Handy und gehe auch auf die Frage ein, welche Rolle das Ad-hoc-Fotografieren und das nahezu zeitgleiche Versenden bzw. Hochladen solcher Fotos heute im kommunikativen Alltag spielt.

Literatur
Dürscheid, Christa (2007): Private, nicht öffentliche und öffentliche Kommunikation im Internet. In: Neue Beiträge zur Germanistik 6(4), 22–41
Lehnert, Gertrud (1999): Mit dem Handy in der Peepshow: die Inszenierung des Privaten im öffentlichen Raum. Berlin: Aufbau-Verlag.