„Und dann fühlt man, als ob der Moderator das äh so eigentlich fühlt“ – wie deutsche und kanadische Hörer/-innen Radiomoderationen beschreiben

Grit Böhme/Sonja Kettel
13.09.2018, 11.45 Uhr-12.30 Uhr, S06 XX, Symposium VI

Um auf dem umkämpften Rundfunkmarkt bestehen zu können, richten Radiosender ihr Profil auf eine umgrenzte, meist lokal definierte Zielgruppe aus. Zugleich ist die Programmgestaltung jedoch weltweit geprägt durch US-amerikanische (Formatradio) und britische Traditionen (BBC). Bereits in den Anfängen des Mediums wurde über Ländergrenzen hinweg gesendet, heute bieten Medienunternehmen ihre Programme multinational an und über digitale Verbreitungswege können sie potenziell ein riesiges, heterogenes Publikum erreichen. Spiegeln sich solche Globalisierungstendenzen auch in der Wahrnehmung der Hörer/-innen wieder? Dieser Frage soll am Beispiel von Radiomoderation nachgegangen werden, deren Funktion es ist, dem Publikum eine Identifikationsfläche zu bieten und den Sender wiedererkennbar zu machen.

In einem ersten Projekt wurde ein Beschreibungsprofil für die typische Moderation eines Radiosenders aus der Sicht seiner Hörer/-innen erstellt. Dazu wurde ein Ansatz gewählt, der die Vorteile von qualitativen und quantitativen Verfahren verbindet. Kernstück ist eine modifizierte Version der Repertory-Grid-Methode: Untersuchungsstimuli waren Moderationsausschnitte des mitteldeutschen öffentlich-rechtlichen Jugendradios MDR Sputnik und Moderationen anderer Sender, die in derselben Region zu empfangen sind. In semi-strukturierten Interviews wurden Sputnik-Hörer/-innen jeweils immer drei Stimuli hintereinander vorgespielt, darunter mindestens eine Sputnik-Moderation. Nach dem Hören wurden sie gefragt, welche zwei der drei Moderationen sie ähnlicher zueinander finden und welche sich ihrem Eindruck nach unterscheidet. Diese Ähnlichkeiten und Unterschiede sollten sie daraufhin in eigenen Worten beschreiben. So lässt sich ein Netzwerk an wahrgenommenen Ähnlichkeiten und Unterschieden erstellen, in dem sich die Moderationsstimuli jeweils verorten lassen. 32 Sputnik-Hörer/-nnen wurden auf diese Weise zu je 16 solcher „Triaden“ interviewt.

In zwei weiteren Projekten wurden mit derselben Befragungsmethode und denselben Stimuli 22 Hörer/-innen des mitteldeutschen Kulturradios MDR Figaro interviewt sowie 14 deutschsprachige Hörer/-innen in Kanada, die hinsichtlich Alter und Bildungsgrad mit den Sputnik-Hörer/-innen vergleichbar waren. Erste Ergebnisse eines Vergleichs dieser Hörergruppen deuten an, dass Hörgewohnheiten, Programmpräferenzen und die eigene Selbstverortung einen größeren Einfluss darauf haben wie Radiohörer/-innen Moderationsstile wahrnehmen, einordnen und bewerten als die regionale Herkunft.