Was ist leicht, was ist schwer zu lesen und zu verstehen? – Interdisziplinäre Perspektiven, Methoden, Desiderate

Symposium im Rahmen des GAL-Kongresses 2018

Leitung: Bettina M. Bock (Köln), Sandra Pappert (Bielefeld)

Durch das Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention sind Bundesinstitutionen verpflichtet, barrierefreie Kommunikationsangebote zu machen. Auch in anderen Bereichen öffentlicher Kommunikation werden schriftliche Informationsangebote zielgruppenbezogen aufbereitet und angepasst, sodass sie zugänglich sind. Im Kontext des Inklusionsparadigmas sind es besonders Personenkreise mit Beeinträchtigungen, an die hier als Zielgruppen gedacht wird, aber auch Zugewanderte sind häufig im Blick. Des Weiteren rücken mit der Dekade der Alphabetisierung funktionale Analphabeten in den Fokus des Interesses, die nicht so Lesen gelernt haben, dass sie an der öffentlich-schriftlichen Kommunikation teilhaben könnten. Die sogenannte „Leichte Sprache“ soll den genannten Gesellschaftsgruppen Partizipation ermöglichen, sie wird aber in Öffentlichkeit und Wissenschaft teilweise kontrovers diskutiert. Mittels intuitiv in der Praxis entwickelter sprachlicher Regeln werden bereits sehr viele Texte (und Inhalte) in „Leichte Sprache“ vereinfacht: Selbsterklärtes Ziel ist es, den betroffenen Personenkreisen Informationen schriftlich zugänglich zu machen (Netzwerk Leichte Sprache 2013). Auf Forschungsergebnisse aus Teilgebieten der angewandten Linguistik, Sprachdidaktik und Kognitionswissenschaft wurde bei der Entwicklung der Regeln allerdings nicht Bezug genommen. Mittlerweile gibt es aber zunehmend linguistische Arbeiten, die sich sowohl theoretisch als auch empirisch mit dem Phänomen „Leichte Sprache“ auseinandersetzen (u.a. Linz 2013, Bredel/Maaß 2016, Bock/Fix/Lange 2017). In diesem Zusammenhang relevant sind außerdem Forschungsarbeiten, die sich zwar nicht direkt mit „Leichter Sprache“ beschäftigen, aber das Leseverhalten bzw. Verständnisschwierigkeiten von verschiedenen Zielgruppen (Leselernern, Dyslektikern, funktionalen Analphabeten, Deutschlernern usw.) untersuchen (u.a. Radach/Günther/Huestegge 2012, Rayner/Pollatsek/Ashby/Clifton 2012).

Anliegen des Symposiums ist es vor diesem Hintergrund, interdisziplinäre Perspektiven aus Text-, Lese- und Rezeptionsforschung zusammenzubringen, und zwar mit Blick auf die Frage, was Lesen und Verstehen für verschiedene Personenkreise erschwert oder erleichtert. Dabei soll es sowohl um die phonologische Dekodierung (lautes Lesen) als auch um die Wort-, Satz- und Textverarbeitung (Leseverstehen) gehen sowie um Eigenschaften von (schriftlichem) Sprachgebrauch und Text, die das Verständnis erschweren oder erleichtern. Das Symposium ist damit explizit nicht auf „Leichte Sprache“ beschränkt. Es sollen unterschiedliche Fragestellungen und Forschungsmethoden aus der Kognitionswissenschaft, Sprachdidaktik, Korpuslinguistik, Übersetzungswissenschaft und Text­linguistik zusammengebracht werden und die spezifischen Perspektiven und Erkenntnisinteressen interdisziplinär diskutiert werden. Geplant ist die Diskussion qualitativer und quantitativer Zugänge. Dabei werden sowohl die Leser/innen als auch die Texte betrachtet. Zum einen geht es um Methoden zur und Erkenntnisse aus der Beobachtung und experimentellen Untersuchung des Leseverhaltens. Außerdem wird der Blick auf die linguistische Analyse von Texten und Korpora gerichtet und danach gefragt, wie sich Merkmale identifizieren lassen, die das Lesen und Verstehen erleichtern oder erschweren.  Ziel ist es, im gemeinsamen Austausch zu prüfen, wie die verschie­denen Ansätze angesichts der komplexen Herausforderungen, die die Forderung nach barrierefreier Kommunikation an die angewandte Linguistik stellt, sich wechselseitig befruchten und wo sie sich ergänzen können. Der Fokus der Veranstaltung soll auf der Diskussion von Methoden vor dem Hintergrund der spezifischen theoretischen Zugänge und methodologischen Grundannahmen liegen. Bisher fehlt ein solcher Austausch weitgehend oder geht über einzelne Projekte nicht hinaus.

Wir freuen uns über Beitragsvorschläge, die sich einem der genannten Aspekte widmen und bitten um die Einreichung von Abstracts (max. 500 Wörter). Die Einreichung von Beitragsvorschlägen erfolgt über das Konferenzmanagementsystem ConfTool, das Sie über http://www.conftool.com/gal-2018/ erreichen. Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag NICHT, wie in den Vorjahren, per E-Mail an die GAL-Geschäftsstelle. Um einen Beitrag via ConfTool einzureichen, müssen Sie in ConfTool zunächst eine Benutzerkennung erstellen (Link "Neu anmelden" auf der Startseite). Nach Anmeldung im System können Sie Ihren Beitragsvorschlag im System hochladen und dem gewünschten Symposium zuordnen. Nach Ende des Auswahlverfahrens werden Sie von den Symposiums-Organisatorinnen darüber informiert, ob Ihr Beitrag angenommen wurde.

Die Frist für die Einreichung von Beitragsvorschlägen zum Symposium ist der 01.04.2018

Eine Anleitung zur Anreichung von Beitragsvorschlägen via ConfTool finden Sie hier.

Literatur:

Bock, Bettina M./Fix, Ulla/Lange, Daisy (2017) (Hrsg.): „Leichte Sprache“ im Spiegel theoretischer und angewandter Forschung. Berlin.

Bredel, Ursula/Maaß, Christiane (2016): Leichte Sprache. Theoretische Grundlagen und Orientierung für die Praxis. Berlin.

Linz, Erika (2013): Sprache als Barriere? Das Sprachbild in Konzeptionen von Leichter Sprache. In: Sprache und Literatur (SuL) 112, 2015, 20-42.

Netzwerk Leichte Sprache (2013). Die Regeln für Leichte Sprache. (31.10.2017 Zugriff auf: http://www.leichte-sprache.de/dokumente/upload/21dba_regeln_fuer_leichte_sprache.pdf)

Radach, Ralph/Günther, Thomas/Huestegge, Lynn (2012). Blickbewegungen beim Lesen, Leseentwicklung und Legasthenie. In: Lernen und Lernstörungen 1, 185-204.

Rayner, Keith/Pollatsek, Alexander/Ashby, Jane/Clifton, C (2012). Psychology of reading (2nd ed.). New York: Psychology Press.