Linguistik für die Öffentlichkeit: Diskurse messen, erklären und deuten

Symposium im Rahmen des GAL-Kongresses 2018

Leitung: Philipp Dreesen (Zürich), Peter Stücheli‐Herlach (Zürich)

Es besteht bei unterschiedlichen Akteursgruppen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft eine enorme Nachfrage nach Analysen großer Datenmengen, um öffentliche Kommunikation besser verstehen und entsprechende Dynamiken wie die Entwicklung von Kontroversen und Diskurskoalitionen antizipieren zu können. Diese Nachfrage bedienen derzeit vor allem soziologische, politik‐, medien- und kommunikationswissenschaftliche Politikfeld‐, Akteurs‐ (bzw. Stakeholder-) und Netzwerkanalysen – sowie neuerdings auch die (Big) Data Analysis. Dazu zählen auch viele Analysen von so genannten Medieninhalten und Issues auf der Basis von Sprachdaten.

Die linguistische Diskursanalyse hat ihre spezifischen Stärken in diesem Feld hingegen noch nicht hinreichend beweisen können. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Diskurslinguistik zwar öffentliche Meinungen, Argumentationen, Einstellungen, Frames etc. analysieren kann, ihr Vorgehen aber selten als methodisch verlässliche "Messung" im Sinne eines gezielten Datensamplings sowie robuster quantitativ-statistischer und qualitativer Analyse wahrgenommen wird. Auch gibt es offenbar ein Desiderat hinsichtlich der Positionierung der Diskurslinguistik in einer sich interdisziplinär und international entfaltenden Diskursforschung und des Transfers ihrer Befunde und Erklärungen an interessierte Akteursgruppen.

Ausgehend von dieser Lagebeurteilung möchten wir für das Symposium "Linguistik für die Öffentlichkeit" um Beitragsvorschläge bitten, die an frühere Initiativen zur Positionierung und Profilierung einer Angewandten Diskurslinguistik (Roth/Spiegel 2013) anschließen: Wie können nach einer vor allem theoretischen und methodologischen Grundlegung der Angewandten Diskurslinguistik leistungsstarke polyvalente Forschungsdesigns und Transferpraktiken entwickelt werden, die für interessierte Akteure öffentlicher Kommunikation von Interesse sind und deren Relevanz auch plausibel gemacht werden kann?

Wir bitten um Beitragsvorschläge, die einen oder mehrere der folgenden Aspekte behandeln:

– Berichte inkl. selbstkritischer Reflexion über konkrete Forschungsdesigns und laufende Forschungsprojekte der Angewandten Diskurslinguistik;

– Auswertungen von Praxiserfahrungen in der anspruchsvollen Vermittlung diskurslinguistischer Methoden und Erkenntnisse an Nicht‐DiskurslinguistInnen;

– Ansätze und Modelle für einen angemessenen Transfer und eine verantwortungsvolle Anwendung diskurslinguistischen Arbeitens für Fragestellungen der Kommunikationspraxis wie z. B. Visualisierungspraktiken oder diskursstrategische Evaluationen;

– Integration von quantitativen und qualitativen Methoden, d.h. von Korpuslinguistik und Methoden der Diskurslinguistik i.e.S. als eine Messung, Erklärung und anwendungsbezogene Deutung von Sprachgebrauchsmustern (vgl. Bubenhofer 2009);

– rechtliche, technische und methodische Aspekte der Beschaffung und Bereitstellung von diskurslinguistischen Daten sowie ihrer Transparenz und kollektiven Nutzung;

– Fragestellungen, Methoden und Vermittlungspraktiken der Angewandten Diskurslinguistik im Spannungsfeld zwischen Forschungs‐ und Verwertungsinteressen;

– wichtige Forschungsperspektiven, Grenzen und interdisziplinäre Kooperationsmöglichkeiten der Angewandten Diskurslinguistik.

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge von 30 Minuten Vortragszeit (plus 15 Minuten Diskussion). Aus zeitlichen Gründen werden inhaltlich verwandte Vortragsvorschläge ggf. zu Panels zusammengefasst. ​

Die Einreichung von Beitragsvorschlägen erfolgt über das Konferenzmanagementsystem ConfTool, das Sie über http://www.conftool.com/gal-2018/ erreichen. Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag NICHT, wie in den Vorjahren, per E-Mail an die GAL-Geschäftsstelle. Um einen Beitrag via ConfTool einzureichen, müssen Sie in ConfTool zunächst eine Benutzerkennung erstellen (Link "Neu anmelden" auf der Startseite). Nach Anmeldung im System können Sie Ihren Beitragsvorschlag im System hochladen und dem gewünschten Symposium zuordnen. Nach Ende des Auswahlverfahrens werden Sie von den Symposiums-OrganisatorInnen darüber informiert, ob Ihr Beitrag angenommen wurde. 

Die Frist für die Einreichung von Beitragsvorschlägen zum Symposium ist der 01.04.2018.

Eine Anleitung zur Anreichung von Beitragsvorschlägen via ConfTool finden Sie hier.

 

Symposiums-Organisatoren

Philipp Dreesen & Peter Stücheli‐Herlach

ZHAW Departement für Angewandte Linguistik
Theaterstrasse 15c
CH-8401 Winterthur

Mail: philipp.dreesen@zhaw.ch

 

Literatur

Angermuller, Johannes (2014). Einleitung: Diskurforschung als Theorie und Analyse:  Umrisse eines interdisziplinären und internationalen Feldes. In Ders., et al. (Hrsg.), Diskursforschung: Ein interdisziplinäres Handbuch, Bd. 1 (S. 16–36). Bielefeld: transcript.

Bubenhofer, Noah (2009). Sprachgebrauchsmuster: Korpuslinguistik als Methode der Diskurs‐ und Kulturanalyse. Berlin/New York: de Gruyter.

Denkwerk Demokratie (Hrsg.) (2014). Sprache. Macht. Denken. Politische Diskurse verstehen und führen. Frankfurt/New York: Campus.

Roth, Kersten Sven & Spiegel, Carmen (Hrsg.) (2013). Angewandte Diskurslinguistik: Felder, Probleme, Perspektiven. Berlin: Akademie Verlag.

Roth, Kersten Sven, Wengeler, M. & Ziem, A. (Hrsg.) (2017). Handbuch Sprache in Politik und Gesellschaft. Berlin und Boston: de Gruyter.