Aktuelle Herausforderungen für die Methodologie der angewandten Linguistik

Symposium im Rahmen des GAL-Kongresses 2018

Leitung: Matthias Meiler (Chemnitz), Martin Siefkes (Chemnitz)

Gerade die angewandten Wissenschaften bedürfen einer umfassenden Reflexion und Diskussion ihrer theoretischen Grundlagen, um auf gegenstandsangemessene Art und Weise in die gesellschaftliche Praxis zurückwirken zu können. Für die angewandte Linguistik ergeben sich hier besondere Herausforderungen, denn die zunehmend komplexere Mediatisierung der Kommunikation ebenso wie die immer stärkere Integration von Sprache mit anderen Zeichensystemen (Stichwort: Multimodalität) können als grundlegende Veränderungen im Gegenstandsbereich der Linguistik gelten. Einige Teilbereiche der Linguistik reagieren auf diese Herausforderungen. Das wachsende Interesse für textübergreifende diskursive Zusammenhänge und die technischen Möglichkeiten der Verarbeitung großer Textkorpora, sowie interdisziplinäre Entwicklungen wie Netzwerkanalyse, Graphdatenbanken oder andere Formen der Visualisierung komplexer Zusammenhänge bedürfen der methodologischen Reflexion.

Kommunikationsprozesse werden beschleunigt, globalisiert und egalisiert und zugleich massenhaft dokumentier- und damit auch erforschbar. Kommunikationsräume spezialisieren sich auf der einen Seite interessengeleitet über räumliche Grenzen hinweg und werden auf der anderen Seite durch undurchschaubare Algorithmen zu Echokammern fragmentiert. Hatten vor einigen Dezennien die Entwicklungen im Feld der Audio- und später der audiovisuellen Aufnahmen einen enormen Effekt auf die qualitative Erforschung von Interaktionsprozessen, so scheinen es heute die Entwicklungen rund um die Digitalisierung zu sein, die umwälzende Folgen nicht nur für die Erforschung von Sprache und Kommunikation haben.

Eine vertiefende Fortführung einerseits und andererseits eine grundlegende Reaktualisierung der disziplinären Reflexion methodologischer und methodischer Aspekte scheinen also unumgänglich, gerade im Hinblick auf die nunmehr häufig digitale Verfasstheit des Gegenstandes und der methodischen Hilfsmittel seiner Analyse. Darüber hinaus sind es aktuelle disziplinen-übergreifende Theorieentwicklungen (v.a. durch Medien- und Praxistheorien), die zu grundlegend methodologischen Reflexionen mahnen – da in diesen Diskussionen die Verfasstheit aller kulturwissenschaftlichen Gegenstände von Grund auf infrage steht.

Das Symposium fragt dabei nach den Chancen, die sich in dieser Situation des methodologischen Zweifels ergeben. Traditionell waren linguistische Analysemethoden eng mit Theoriegebäuden (z.B. dem Strukturalismus, der generativen Grammatik oder der kognitiven Semantik) verbunden – doch diese Übersichtlichkeit löst sich auf. Neue Methoden wie die (auch multimodale) Korpusanalyse finden ihren Platz im Methodenarsenal, und der Trend zu Mixed-methods-Ansätzen löst Grenzen auf. Wie sieht es künftig mit dem Status der Bindestrich-Linguistiken aus, wenn sozio-, psycho- oder neurolinguistische Methoden regelmäßig mit anderen kombiniert werden? Eine besondere Herausforderung bieten ferner die Digital Humanities, die auf einen Schlag ein umfangreiches neues Methodenspektrum zugänglich machen. Obwohl dieses durchaus mit dem Beschreibungsinventar der Linguistik und Semiotik erfasst werden kann, sind die Rückwirkungen auf die Reichweite und das methodische Fundament der Linguistik bislang unzureichend reflektiert worden. Diese Reflexion gilt es gerade auch im Feld der angewandten Linguistik anzustellen. Denn hier haben methodisch unzulänglich erfasste Gegenstände unweigerlich zur Folge, dass alle Versuche einer wissenschaftlichen Informierung der erforschten Praxis mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern müssen.

Erbeten werden Beiträge zu den genannten Themenspektren, wobei die methodologische Reflexion gerade auch an praktischen Problemstellungen oder konkreten Projekten erfolgen kann und sollte. Als Beteiligungsformate sind 'Long paper' (30 min +15 min) und 'Short paper' (15 min + 7 min) vorgesehen.

Die Einreichung von Beitragsvorschlägen erfolgt über das Konferenzmanagementsystem ConfTool, das Sie über http://www.conftool.com/gal-2018/ erreichen. Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag NICHT, wie in den Vorjahren, per E-Mail an die GAL-Geschäftsstelle. Um einen Beitrag via ConfTool einzureichen, müssen Sie in ConfTool zunächst eine Benutzerkennung erstellen (Link "Neu anmelden" auf der Startseite). Nach Anmeldung im System können Sie Ihren Beitragsvorschlag im System hochladen und dem gewünschten Symposium zuordnen. Nach Ende des Auswahlverfahrens werden Sie von den Symposiums-OrganisatorInnen darüber informiert, ob Ihr Beitrag angenommen wurde.

Die Frist für die Einreichung von Beitragsvorschlägen zum Symposium ist der 01.04.2018.

Eine Anleitung zur Anreichung von Beitragsvorschlägen via ConfTool finden Sie hier.