Sprachsystematisches in transdisziplinärer Rahmung – eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung der angewandten Linguistik?

Kristina Pelikan
12.09.2018, 14.45 Uhr-15.05 Uhr, S06 XX, Symposium III

„Applied Linguistics is a specific, problem-oriented way of ‘doing linguistics’ related to the real-life world“ (Knapp/Antos 2009: 81). Die lebensweltlichen Probleme, auf die Knapp und Antos hier referieren, und die durch unterschiedliche Methoden der angewandten Linguistik gelöst werden sollen, haben sich stark verändert. Nicht nur die zunehmende Mediatisierung der Kommunikation, sondern auch die mit dem Ziel des Erfolgs auf globaler Ebene intensivierte Zusammenarbeit zwischen Vertretern diverser Disziplinen, Sprachen und Kulturen trägt essentiell zur Veränderung der “real-life world” (ebd.) bei. Parallel hat sich in der Linguistik ein Trend hin zu größeren Korpora entwickelt, die mit immer ausgefeilteren technischen Möglichkeiten diverse Phänomene untersuchen – leider nicht immer mit dem Ergebnis, lebensweltliche Probleme nachhaltig zu lösen.

Auf fachkommunikative Kommunikationssituationen fokussierend, soll in diesem Vortrag ein konkreter Vorschlag für die erfolgreiche Bearbeitung von lebensweltlichen Problemen in komplexen Kommunikationssituationen vorgestellt werden. Dies bedarf zunächst der Auflösung der meist strikten Trennung zwischen dem Lösen von lebensweltlichen Problemen und der Weiterentwicklung von intradisziplinären Ansätzen der angewandten Linguistik, die Interaktion zwischen Theorie und Praxis soll vielmehr als Kreislauf betrachtet werden. Einem transdisziplinären Ansatz folgend (Thompson Klein 2004), soll disziplinäres wissenschaftliches Wissen mit Fachwissen von außerwissenschaftlichen Praxisdomänen kombiniert werden und im erfolgreichen Bearbeiten von Fragestellungen der angewandten Linguistik und dem Lösen von lebensweltlichen Problemen resultieren. Dies soll jedoch nicht zur Reduzierung oder gar Auflösung intradisziplinäres Arbeitens führen – im Gegenteil. Die Linguistik als zentralen Kern betrachtend, stellen Ansätze anderer wissenschaftlicher Disziplinen und auch nicht-wissenschaftliche Methoden lediglich erfolgversprechende Ergänzungen dar. “Transdisziplinarität kann als Problembearbeitungskonzept vorgestellt und gelehrt werden, entstehen wird sie nur als gelebte Praxis disziplinär gebildeter Subjekte” (Weinhardt 2017). Diese disziplinären Subjekte bedürfen nicht nur einer erweiterten Reflexion, sondern auch einer steten Weiterentwicklung – beides ist durch rein intradisziplinäre und quantitative Ansätze kaum möglich.

Hier wird ein ein mixed-methods Ansatz präferiert – sprachsystematische Analysen integrierend und in eine transdisziplinäres Methodik eingebettet. Auf dem Weg von klassifizierendem zu typologischem Vorgehen, wird dieser Vortrag den vorgeschlagenen Ansatz am Beispiel der Untersuchung von Fachkommunikation detailliert darstellen. Mit dem Fokus auf Sprachsystematischem wird Organisationskommunikation auf Twitter analysiert (Kraft/Pelikan 2018/i.Vorb.). Weiter wird die Kommunikation von inter- und transdisziplinären Forschungsprojekten aus dem Bereich Public Health untersucht – beispielsweise mit dem Ziel der Effizienzsteigerung in mehrsprachigen Kommunikationssituationen (Pelikan/Zinsstag 2017) eines transdisziplinären Forschungsprojektes mit Maya Heilern in Guatemala.

 

Literatur
Knapp, Karlfried/Antos, Gerd (2009): Handbook of Intercultural Communication. Editiert von Helga Kotthoff und Helen Spencer-Oatey. De Gruyter: Berlin.

Klein Thompson, Julie (2004): Prospects for transdisciplinarity. In: Futures 36, 515–526.

Kraft, Andreas; Pelikan, Kristina (2018/i.Vorb.): Entwicklung theoriegeleiteter Ansätze zur Analyse fachkommunikativer Strukturen auf Twitter unter Berücksichtigung kultureller Perspektiven. Ausarbeitung zum Vortrag der Tagung ‘Online-Diskurse’ (Universität Breslau, Polen) für die Reihe ‘Breslauer Studien zur Medienlinguistik’.

Pelikan, Kristina/Zinsstag, Jakob (2017): Functional multilingualism in transdisciplinary research projects. Vortrag bei der ITD Konferenz, Leuphana Universität, Lüneburg.

Weinhardt, Marc (2017): Die transdisziplinäre Ordnung der Dinge oder: Warum wir disziplinär geordnete Lehre brauchen, um transdisziplinär handeln zu können <https://marcweinhardt.de/?p=1785> (zuletzt aufgerufen am 29.03.2018).