Sprachförderliches Handeln im Fachunterricht: Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojektes

Andreas Weber, Astrid Neumann & Susann Entrich
13.09.2018, Poster-Session

Das Projekt EvaFa (Evaluation der Sprachförderung im Fachunterricht der Sekundarstufe I im BiSS-Programm) ist ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg und der Fachbereiche Deutsch- und Mathematikdidaktik der Leuphana Universität Lüneburg. Es zielt mit seinem formativen Ansatz darauf ab, die zentralen Sprachbildungsprozesse in 35 Schulen in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen zu evaluieren, die im Modul Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten des BiSS-Programms teilnehmen. Da eine Weitergabe von Erfahrungen und Materialien üblicherweise maximal auf Schulebene stattfindet, ist eine wesentliche Zielsetzung des Projektes die Dokumentation und Nutzbarmachung erfolgreicher Sprachbildungsansätze und –materialien.

Die Erhebungen des Projektes begannen im Herbst 2015 und werden im Sommer 2018 abgeschlossen sein. Neben regelmäßigen Interviews mit den an der Sprachbildung beteiligten Personen wurden in je zwei Klassen standardisierte Erfassungen produktiver und rezeptiver Sprachkompetenzen durchgeführt (n=682 Schülerinnen und Schüler). Zusätzlich wurden jeweils soziodemographische Hintergrundvariablen und die Einstellung zum eigenen Sprachbildungsprozess erfasst. Um längsschnittliche Daten zu erhalten, werden diese Erhebungen im Frühling 2018 wiederholt. Daneben wurden Portfolios in den evaluierten Klassen eingesetzt, um sprachbildende Materialien identifizieren zu können.

Zusätzlich wurden in halbjährlichem Abstand in zwei Klassen Hospitationen durchgeführt. Das hierzu eingesetzte eigens entwickelte Beobrachtungsinstrument nimmt neben allgemeiner Unterrichtsqualitätskriterien (vgl. Helmke 2003) vor allem sprachbildende Aspekte in den Fokus (Schmölzer-Eibinger et al., 2014; Rossack et al., 2017). Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf dem sprachlichen Handeln der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler und dessen Auswirkungen auf einen sprachbildenden Unterricht. Beobachtet wird unter anderem die angemessene Verwendung des alltags- und bildungs- bzw. schulsprachlichen Sprachregisters. Daneben werden unter anderem Aspekte des Schüleraktivierung und der Reflexion des eigenen sprachlichen Verstehens der Schülerinnen und Schüler beobachtet.

Das vorzustellende Poster soll das eingesetzte Beobachtungsinstrument inklusive der gebildeten Skalen vorstellen und die gewonnenen Erkenntnisse mit den durch die anderen Erhebungsinstrumente gewonnenen Daten in Verbindung setzen.

 

Literatur
Helmke, A. (2003). Unterrichtsqualität. Seelze: Kallmeyer.

Rossack, S., Neumann, A. , Leiß, D., & Schwippert, K. (Hrsg.) (2017). "Fach-an-Sprache-an-Fach": Schreibförderung in Deutsch und Mathematik. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Schmölzer-Eibinger, S. et al. (2014). Sprachförderung im Fachunterricht in sprachlich heterogenen Klassen, Stuttgart: Fillibach bei Klett.