Sprachcoaching – Lernprozesse von Studierenden und internationalen Studieninteressierten in einem Qualifizierungsprojekt

Marilena Ahnen
13.09.2018, Poster-Session

Ausgehend von der Frage, wie der Studieneinstieg an einer deutschen Hochschule für Geflüchtete im Allgemeinen erleichtert und die Brücke von der Alltags- zur Fachsprache im Speziellen geschlagen und gleichzeitig die Ausbildung Studierender dahingehend erweitert werden kann, wurde das Sprachcoaching-Projekt der Universität Göttingen entwickelt.

Das Sprachcoaching-Projekt verfolgt das Ziel, als spezifische Form individualisierter Sprachenförderung mit Elementen der Lernberatung, der wissenschaftsbezogenen Sprachenbildung sowie der Wissenschaftspropädeutik, Studierende aller Fächer und internationale Studieninteressierte zusammenzubringen. Es ist im Sinne eines Service-Learning-Angebotes im Rahmen der Zusatzqualifikation Interkulturalität und Mehrsprachigkeit / Deutsch als Fremd- und Zweitsprache entwickelt worden. Zum einen profitieren von der Teilnahme am Projekt Studierende, die sich in diesem spezifischen Feld weiterqualifizieren möchten und zum anderen internationale Studieninteressierte, die sowohl bezogen auf Fachsprache(n) als auch auf den Studienalltag, an ihren Bedarfen orientiert gecoacht werden.

Sprachcoach und Coachee finden im Anschluss an persönliche Gespräche über ein Matching zusammen, bei dem u.a. das studierte bzw. aspirierte Studienfach von Studierenden und Studieninteressierten berücksichtigt wird. Praktisch vollzieht sich das Coaching dann je über ein Semester, in dem Sprachcoach und Coachee an den gemeinsam gesteckten Zielen arbeiten.

Die Qualifizierung der Sprachcoaches erfolgt über Vorbereitungs- und Begleitworkshops, deren Inhalte an die in der Zusatzqualifikation vermittelten Kompetenzen anschließen und auf das Sprachcoaching bezogen in Perspektive gerückt werden. Entsprechend der Studienfachwünsche der Coachees wird die Vermittlung von Fachsprache exemplarisch thematisiert und für typische wissenschaftssprachliche Strukturen sowie für Fachsprachenspezifika sensibilisiert. Den zweiten Baustein der Qualifizierung bilden individuelle Beratungsgespräche, in denen Sprachcoaches nicht nur ihre methodisch-didaktischen Vorkenntnisse, sondern auch ihre Vorannahmen reflektieren.

Um allen Projektbeteiligten einen gemeinsamen Diskurs- und Reflexionsrahmen zu bieten, finden darüber hinaus interkulturelle Workshops statt, in denen es darum geht, Deutungsperspektiven kennenzulernen. Wertschätzung und Nutzung von Mehrsprachigkeit sowie das gegenseitige Verständlichmachen stellen dabei nur einige der Ziele dar.