Rechtskommunikation und Wissenstransfer in Klarer Sprache: Grundlagen, Konzept und Beispiele

Karin Luttermann
12.09.2018, 14.45 Uhr-15.30 Uhr, S06 XX, Symposium IV

Inklusion ist zu einem Schlagwort in Politik und Gesellschaft geworden. Die Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes hat Trägern öffentlicher Gewalt auferlegt, für Menschen mit Behinderungen Informationen in sog. „Leichter Sprache“ (LS) bereitzustellen. Auch Wissenschaftler wenden sich verstärkt den Vermittlungsmöglichkeiten von Wissen für LS-Adressaten zu. Sie arbeiten überwiegend mit dem aus der Praxis stammenden Begriff und verschiedenen Regelwerken.

In fachwissenschaftlichen (linguistischen) Arbeiten wird die LS grundsätzlich als ein geeignetes Mittel gesehen, schwere Texte leicht zu machen (s. Bock/Fix/Lange 2017). Ihr wird das Potenzial zugeschrieben, Kommunikationsbarrieren in Texten systematisch und wirkungsvoll abzubauen. Allerdings steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der LS noch am Anfang, und es mehren sich Stimmen, bestimmte Grundannahmen und Ausprägungen (z.B. Zielgruppen, Textsorten) kritisch zu hinterfragen und empirisch zu prüfen.    

Der vorliegende Beitrag plädiert – sprachwissenschaftlich fundiert – für den Gebrauch der Klaren Sprache und für eine Perspektivenerweiterung des Laienbegriffs in der Experten-Laien-Kommunikation. An Beispielen wird gezeigt, wie LS-Übersetzer zu Lasten inhaltlicher Richtigkeit fachliche Informationen im Recht in die Reduktionsvarietät übertragen. Mit dem Rechtslinguistischen Verständlichkeitsmodell (Luttermann 2010) wird ein sachadäquater und adressatenbezogener Wissenstransfer kommunikationsbereichsspezifisch für das Recht ausgelotet.

 

Literatur
Bock, Bettina/Fix, Ulla/Lange, Daisy (Hrsg.): „Leichte Sprache“ im Spiegel theoretischer und angewandter Forschung. Berlin 2017.  

Luttermann, Karin: Verständliche Semantik in schriftlichen Kommunikationsformen. In: Fachsprache 3-4.2010, S. 145-162.