Protest von Rechts – Strategien zur Übernahme diskursiver Positionen des Widerstandes im 'Dritten Reich'

Friedrich Markewitz
13.09.2018, Poster-Session

In den letzten Jahren kam es zu einem deutlichen Zuwachs rechtspopulistischer Parteien sowie Bewegungen und damit verstärkt zu einer entsprechenden Auseinandersetzung auf politischer wie gesellschaftlicher Ebene. Die Notwendigkeit der Aufarbeitung der strategischen Kommunikation rechtspopulistischer Bewegungen ist vor diesem Hintergrund von großer Bedeutung.

Ein konstitutives Merkmal der Mitglieder von Protestbewegungen ist ihre gemeinsame kulturelle Identität, ein gemeinsames Geschichtsverständnis und die Verwendung identitätsstiftender Symbole. Die Verwendung der Stauffenberg- bzw. Wirmer-Flagge durch rechtspopulistische Akteure kann als  Strategie der Parallelisierung mit widerständischen Diskurspositionen im sog. Dritten Reich interpretiert werden. Sowohl durch die Verwendung der Flagge als auch durch explizite Rekurse auf den Widerstand im Nationalsozialismus inszeniert z.B. Pegida eine Verbindung zwischen der Situation der Widerstandsgruppen im 'Dritten Reich' und der heutigen Situation in Deutschland, um sich so in eine zeitgeschichtliche Kontinuität zu diesen zu stellen.

Ziel ist es, die Strategien der Übernahme, des Dekonstruierens und Rekonstruierens geschichtlicher Deutungsmuster durch moderne rechtspopulistische Diskursakteure deutlich zu machen. Im Vordergrund sollen von Autoren des rechtspopulistischen Blogs „Political Incorrect“ (abgekürzt: PI-News) verwendete Topoi stehen, mit denen eine Verbindung zwischen rechtspopulistischen Bewegungen und den Widerstandskämpfern des 20. Julis 1944 hergestellt wird.

Als Grundlage dienen Texte des Blogs „PI-News“, der als Schnittelle der rechtspopulistischen Szene gilt. Auf der Startseite des Blogs findet sich unter dem Punkt „Aktivismus“ auch der Unterpunkt „Widerstand“. Dahinter verbirgt sich eine Reihe heterogener Textsorten, zu denen längere Essays gehören, in denen sich die Autoren mit dem Verhältnis rechtspopulistischer Bewegungen und Widerstand befassen und kürzere Nachrichten, in denen das widerständische Aktionspotenzial der Bewegungen abgebildet sowie aktiviert werden soll. Diese Texte werden diskurslinguistisch aufgearbeitet, um die Versuche der Antizipation sowie Appropriation diskursiver widerständischer Positionen durch die rechtspopulistische Szene aufzudecken und kritisch zu reflektieren.