"Protest als sprachliches Umbruchphänomen der späten 1960er Jahre – Aushandeln einer politischen Ausdrucksform"

Heidrun Kämper
13.09.2018, 11.00 Uhr-11.45 Uhr, S06 XX, Symposium VII

Protest ist ein zentrales Element studentischer Identität der späten 1960er Jahre und entspricht zum einen studentischem Selbstanspruch von Gesellschaftskritik in der Form von Provokation und Widerstand. Damit ist Protest im Verständnis der studentischen Linken eine durch demokratische Grundregeln legitimierte Ausdrucksform, während die intellektuelle Linke mit dem Kriterium der Gewalt eine Konfliktlinie zieht, um die Legalität bzw. Nichtlegalität von Protest zu bestimmen.

In diesem Reden über Protest, das die diskursive Dynamik der späten 1960er Jahre kennzeichnet und das sich in spezifischen Aushandlungsstrategien manifestiert, verdichtet sich der politische Diskurs der späten 1960er Jahre. In diesem Sinn rekonstruiert der Beitrag die akteursabhängigen spezifischen Protestkonzepte und entsprechende Kodierungen im Sinn eines durchaus von Vagheit und Bewertungsdifferenzen gekennzeichneten agonalen Zentrums des partizipatorischen Demokratiediskurses der späten 1960er Jahre. Er bewertet dieses kommunikative und konzeptuelle Phänomen als Umbruch und stellt es als solches in den Kontext von Mentalitätsveränderungen. Protest wird damit beschrieben als ein Änderungen von Verhaltensmaximen und idealen Menschenbildern sowie den Wandel kollektiver gesellschaftlicher Bewertungen und Einstellungen repräsentierendes Konzept.