Nominalvalenz in der Mediation

Christian Horn
13.09.2018, Poster-Session

Der Beitrag zeigt, inwiefern Kenntnisse zur Nominalvalenz im Rahmen einer Mediation zu einer deutlicheren Klärung beitragen können. Unter Mediation wird ein systematisches, in Phasen strukturiertes Verfahren zur Konfliktlösung verstanden, an dem die Konfliktparteien freiwillig teilnehmen und bei dem sie von einer dritten, allparteilichen Person (dem „Mediator“) durch den Mediationsprozess geführt werden. (vgl. Trossen 2014, Mediationsgesetz).

Ein Ziel der Mediation ist es, einen gegenseitigen Verstehensprozess zu erzeugen, im Rahmen dessen die beteiligten Parteien nachvollziehen können, durch welche Motive die Positionen der anderen Parteien bedingt sind; oft sind sich die Beteiligten dabei über ihre Motive selbst nicht bewusst. Dem Mediator kommt daher die Funktion zu, diese Motive durch verschiedene kommunikative Techniken herauszuarbeiten und aufzudecken, unter anderem durch „präzises Zuhören“ (Trossen 2014) und das Stellen von geschickten Fragen. Sprachliche Sensibilität und Kenntnisse über semantische und pragmatische Merkmale der Sprache sind dabei äußerst hilfreich. Ein Aspekt ist dabei die Valenz (auch „Stelligkeit“) von Nomen.

Die Unterscheidung von Nomen nach ihrer Valenz ist lange diskutiert (Behaghel 1923, Barker 1995, Vikner & Jensen 2002), allerdings bisher nicht systematisch auf die Mediation bezogen worden. Prinzipiell wird zwischen sortalen („einstelligen“) und relationalen („mehrstelligen“) Nomen unterschieden. Sortale Nomen (wie Stein, oder Frau) charakterisieren ihre potentiellen Referenten bezüglich bestimmter Merkmale, relationale (wie Freund, Mitglied oder Distanz) setzen sie darüber hinaus in eine durch die Nomenbedeutung bestimmte Beziehung zueinander (Freund von x, Mitglied in x, Distanz zwischen x und y). In der Alltagssprache werden die offenen Argumente der Nomen allerdings oft nicht explizit (vgl. Horn & Kimm 2014) sondern pragmatisch gesättigt oder die Nomenbedeutungen gar umgewidmet. Folglich kann die Interpretation, die der Mediator auf Basis solcher sprachlich unterspezifizierter Ausdrücke vornimmt, falsch sein, woraus er gegebenenfalls falsch Schlüsse zieht. Die kann den Mediationsprozess behindern oder in die Irre leiten. Im Beitrag wird gezeigt, wie die Sensibilität für Nomenvalenz die Klärung unterstützen kann.

 

Literatur
Barker, Chris (1995): Possessive Descriptions. Stanford: CSLI Publications.

Behaghel, Otto (1923): Deutsche Syntax: Eine geschichtliche Darstellung. In Die Wortklassen und Wortformen: A. Nomen. Pronomen (Bd. I). Heidelberg: Carl Winters Universitätsbuchhandlung.

Horn, Christian & Nicolas Kimm (2014): Nominal concept types in German fictional texts. In: Thomas Gamerschlag, Doris Gerland, Rainer Osswald, & Wiebke Petersen (eds.): Frames and Concept Types. Applications in Language and Philosophy. Studies in Linguistics and Philosophy. 343-362. Dordrecht: Springer.

Mediationsgesetz in der Fassung vom 21.07.2012, Kraft getreten am 26.07.2012. Online verfügbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/mediationsg/index.html.

Trossen, Arthur (2014): Mediation (un)geregelt: Die Konsolidierung von Mediation, Psychologie und Recht. Der universelle Praxis- und Lehrbuchkommentar zur Konfliktbeilegung. Altenkirchen: Win-Management.

Vikner, Carl & Per A. Jensen (2002): A semantic analysis of the English genitive: Interaction of lexical and formal semantics. Studia Linguistica 56. 191–226.