Mit Sprache Recht gestalten. Ein Bericht aus der Praxis der Arbeit des Redaktionsstabs Rechtssprache beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Stephanie Thieme
12.09.2018, 14.00 Uhr-14.45 Uhr, S06 XX, Symposium IV

Die Forderung nach verständlich(er)en Gesetzen ist zwar nicht neu, bleibt aber in der öffentlichen Diskussion unvermindert aktuell. Gesetzen eilt wie kaum einer anderen Textsorte der Ruf voraus, nicht oder nur schwer verständlich zu sein. Gesetze regeln nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen (Zusammen-)Lebens. In dieser Funktion betreffen sie alle, auch juristische Laien. Die Bundesregierung hat vor gut 10 Jahren den Redaktionsstab Rechtssprache beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eingerichtet, dessen Auftrag es ist, Gesetz- und Verordnungsentwürfe des Bundes auf Verständlichkeit zu prüfen. Wie setzen die Gesetzesredakteure des Redaktionsstabs Rechtssprache diesen Auftrag um? Ist es möglich, komplexe Regelungsmaterien unter Berücksichtigung der Eigenheiten der Textsorte Gesetz, das unter spezifischen institutionellen Bedingungen und mit verschiedenen Akteuren entsteht, mithilfe sprachlicher Mittel verständlich(er) zu machen? Wie arbeiten die Gesetzesredakteure konkret? Der Vortrag wird anhand von Beispielen Einblicke in die praktische Arbeit des Redaktionsstabs Rechtssprache geben und einige Faktoren exemplarisch darstellen, die das Verständnis auf verschiedenen Ebenen eines Gesetzestextes erschweren: vom Textaufbau über die Gliederung von Paragraphen und Absätzen bis hin zur Satz- und Wortebene. Ein Blick in die „Gesetzeswerkstatt“ des Redaktionsstabs Rechtssprache soll zeigen, wie, in welchem Umfang und mit welchen Ergebnissen der Auftrag der Bundesregierung umgesetzt wird, aber auch, an welche Grenzen eine solche (Sprach)Arbeit stößt.