Leseleistungen im Verlauf der Grundschulzeit

Thomas Günther
13.09.2018, 11.00 Uhr-11.45 Uhr, S06 XX, Symposium IX

Mit Hilfe der Landolt Aufgabe (LA) können in einer sprachfreien Anforderung Blickbewegungen beim Lesen approximiert werden. In einer Längsschnittuntersuchung mit mindestens 150 Kindern pro Messzeitpunkt wurde von der Vorschule bis hin zur fünften Klasse die Frage untersucht, inwieweit auffälliges Blickverhalten in der Vorschule Einfluss auf die Leseentwicklung hat. Ferner wurde untersucht, wie sich die Blickbewegungssteuerung des Lesens ab dem Vorschulalter über die Grundschulzeit hinweg entwickelt. Ergänzend wurden in der Schulzeit standardisierte Lesetests zur Überprüfung des Wortlesens, Pseudowortlesens und Leseverständnisses eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Vorschülern bereits zwischen guten und schlechten „Landoltlesern“ unterschieden werden kann und dass die Blickbewegungen in der LA im Laufe der Entwicklung immer leseähnlicher werden. Die Ergebnisse ermöglichen eine tiefergehende Diskussion, inwieweit auffällige Blickbewegungen eine Ursache für eine Lesestörung sein können. Weiterhin zeigt sich, dass im ersten Schuljahr die größten Entwicklungsschritte stattfinden und die Diagnose einer Lesestörung zu diesem Zeitpunkt schwierig ist. Die Variabilität in den Leseleistungen ist sehr hoch. Ein großer Teil der auffälligen Kinder in der ersten Klasse zeigt zum Ende der Schulzeit eine normale Leseleistung. Demgegenüber gibt es eine zweite Gruppe, die erst gegen Ende der Grundschulzeit zunehmend Defizite im Leseverhalten zeigt.