Konzept semiotischer Effizienz am Beispiel von Pflichtenheften

Alexander Holste
13.09.2018, Poster-Session

Mithilfe des Konzepts kommunikativer Effizienz (Roelcke 2002) lassen sich Schreibprozesse des horizontalen Wissenstransfers beschreiben. Sind in unternehmerischen Domänen Experten unterschiedlicher Fächer bzw. Abteilungen an dieser Kommunikation – z. B. an Projektkommunikation – beteiligt, macht es die Beteiligung u. a. von Ingenieuren, Betriebsplanern und anderen Technikern notwendig, bildliche Darstellungsmittel zur Modellierung kommunikativer Effizienz zu berücksichtigen. Als interfachliche Kommunikation (Kalverkämper 1998: 35) lässt sich diese Kommunikation von Experten in außeruniversitären Domänen in Abgrenzung von interdisziplinärer und transdisziplinärer Kommunikation bezeichnen.

Die Textsortenkonvention Patentschrift, der aufgrund ihrer doppelten Fach(sprach)lichkeit der höchste Abstraktions- und Fachlichkeitsgrad juristischer Textsorten zugesprochen wird (Göpferich 1995: 125 f.), ist Teil einer solchen interfachlichen Kommunikation. Mit dieser Textsorte sind Pflichtenhefte vergleichbar, die Brückendokumente zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer darstellen (Lutz 2013: 101 f.). Dementsprechend verfügen auch Pflichtenhefte über einen hohen Abstraktions- und Fachlichkeitsgrad, aus dem sich ihre Relevanz für die Rechtskommunikationswissenschaft ergibt. Neben den Textsorten(-exemplaren) als Kommunikationsprodukten erscheint auch der interfachliche Schreibprozess relevant, den das Modell kommunikativer Effizienz erfasst.

Für die Untersuchung interfachlicher Kommunikation kann also das Modell kommunikativer Effizienz einerseits um bildliche Darstellungsmittel erweitert werden. Andererseits lässt sich die Kritik am diesem Modell, mathematisch zu formalisieren (Heidrich 2013: 255) und keine Handlungsmuster bzw. Textsorten als bewährte Routinen zu erfassen (Dannerer 2008: 50), dadurch auffangen, dass die Effizienz-Modellebenen der langue und parole um eine Ebene der Textsortenkonventionen und -normen erweitert werden. So kann Letztere durch transsubjektive Teilkompetenzen beispielsweise für Normabweichungen (Engberg/Janich 2007: 221) ausformuliert werden. Berücksichtigung finden beide Modifikationen des Effizienz-Modells im Konzept semiotischer Effizienz, das die Untersuchung zum einen von Pflichtenheften zu ÖPNV-Ausschreibungsprozessen und zum anderen von den zugehörigen interfachlichen Schreibprozessen veranschaulicht (Holste, in Vorbereitung).

 

Literatur
Dannerer, Monika (2008): Gute Kommunikation teuer? Zum Konzept der kommunikativen Effizienz in den Wirtschaftswissenschaften und der Linguistik. In: Müller, Andreas P./Menz, Florian (Hg.): Organisationskommunikation. Grundlagen und Analysen der sprachlichen Inszenierung von Organisation. Managementkonzepte, Band 34. München/Mering: Rainer Hampp. S. 47 – 69.

Engberg, Jan/Janich, Nina (2007): Über die Komplexität fachkommunikativer Sprachkompetenz und ihrer Beschreibung. In Heller, Dorothee/Ehlich, Konrad (Hg.): Studien zur Rechtskommunikation. Bern: Peter Lang. S. 209 – 236.

Göpferich, Susanne (1995): Textsorten in Naturwissenschaften und Technik. Pragmatische Typologie – Kontrastierung – Translation. FFF, Band 27. Tübingen: Gunter Narr.

Heidrich, Franziska (2013): Rezension Thorsten Roelcke: Kommunikative Effizienz – Eine Modellskizze. In: trans-kom. No. 6 (1). S. 241 – 259.

Holste, Alexander (in Vorbereitung): Semiotische Effizienz von interfachlichen Sprache-Bild-Textsorten. Interfachliche Erwartungen an Pflichtenhefte im verfahrensbedingten Textsortennetz behördlich-technischer Ausschreibungen. Vorauss. Berlin: Frank & Timme.

Kalverkämper, Hartwig (1998b): Rahmenbedingungen für Fachkommunikation. In: Hoffmann, Lothar/Kalverkämper, Hartwig/Wiegand, Herbert Ernst (Hg.): Fachsprachen/Languages for Special Purposes: ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. HSK, Band 14.1. Berlin/New York: De Gruyter. S. 24 – 47.

Lutz, Benedikt (2013): Wissenskommunikation Zur verständlichen Gestaltung von Formularen, Pflichtenheften, Protokollen und anderer ungeliebter Texte. In: Ders. (Hg.): Wissen im Dialog. Beiträge zu den Kremser Wissensmanagement-Tagen 2012. Krems: Edition Donau-Universität Krems. S. 95 – 104.

Roelcke, Thorsten (2002): Kommunikative Effizienz. Eine Modellskizze. Sprache – Literatur und Geschichte. Studien zur Linguistik/Germanistik, Band 23. Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter.