Kommemorative Umbenennung von Straßennamen in Ostdeutschland und Polen – methodologische und anwendungsorientierte Ansätze

Isabelle Buchstaller, Malgorzata Fabiszak, Seraphim Alvanides & Anna Brzezinska
12.09.2018, 14.00 Uhr-14.20 Uhr, S06 XX, Symposium II

Unser Papier ist eine erste Bestandsaufnahme unseres vom Beethoven-Programm der DFG geförderten Projekts, das ideologisch-begründete Änderungen in der urbanen Landschaft in Ostdeutschland und Polen untersucht. Unser Fokus liegt auf der kommemorativen Umbenennung von Straßen als Ausdruck von staatlich-hegemonischer Politik der Erinnerungsbildung. Osteuropa ist eine einzigartige Fallstudie für Veränderungen in der Politik der Repräsentation aufgrund von mehrfachen Wellen ideologischer Reorientierung.

Doch während die Forschung im Bereich der Memory Studies und Linguistic Landscape Studies Umbenennungen von Straßennamen hinreichend dokumentiert hat, fehlt dieser Forschung meist die historische Tiefe und sie überschreitet nur selten disziplinäre und geopolitische Grenzen. Unser Projekt füllt diese Forschungslücken indem es Änderungen in staatlich-ideologischer Zurschaustellung von politischer Identität in jeweils 3 Städten in Polen und Ostdeutschland durch das letzte Jahrhundert hindurch beleuchtet. Wir untersuchen:

  • zwei große regionale Zentren: Leipzig und Poznan
  • zwei Städte mit lokaler Bedeutung: Annaberg-Buchholz und Zbaszyn
  • Frankfurt (Oder) / Slubice, die seit dem 2. Weltkrieg durch die Oder getrennt sind.

Die Wahl dieser Städte erlaubt es, Prozesse der Umbenennungen von Straßennamen anhand von 3 Dimensionen zu kontrastieren (1) Nationalstaat (Vergleich zwischen benachbarten Ländern), (2) Größe (Vergleich innerhalb eines Landes) und (3) Zeit (von 1916 bis 2016). Unser Projekt verbindet LL Forschung, Sozialgeographie und urbane Ethnologie mit dem Ziel, ein empirisch-fundiertes Modell der ideologischen Prozesse, die die urbane osteuropäische Landschaft gestalten, zu entwickeln. Die Integration von innovativen Visualisierungsmethoden, soziolinguistischen Interviews mit Entscheidungsträgern in Stadtarchiven, der Tourismusbranche und der zuständigen Baubehörde, sowie kritischen Analysen der öffentlichen Medien-Diskurse, die solche Umbenennungen begleiten, erlaubt die Untersuchung des Ausdrucks von kollektiver Erinnerung in der LL, die auf nationaler Ebene von sozio-politischen und ideologischen Faktoren, als auch von lokalen öffentlichen Debatten beeinflusst ist. Unser Papier stellt unseren interdisziplinären Forschungsansatz vor, zeigt erste Ergebnisse und thematisiert die Frage, wie Forschungsergebnisse möglichst zielgerichtet mit Schulen und öffentlichen Einrichtungen geteilt werden können.