Keynote-Vorträge

Der GAL-Kongress wird drei Keynote-Vorträge umfassen, die wir Ihnen an dieser Stelle schon vor der Veröffentlichung des Tagungsprogramms vorstellen möchten. Die Ankündigung für die ersten beiden Vorträge liegt bereits vor, weitere Ankündigungen folgen in Kürze.

Keynote:
Mit Rechten sprechen


Vortragender: Thomas Niehr (RWTH Aachen)
Termin: Dienstag, 11. September 2018, 17.00 - 18.00 Uhr
Ort: Campus Essen, Gebäude S04

In der politischen Landschaft der Bundesrepublik Deutschland haben sich mit dem Erstarken rechtspopulistischer Strömungen neue Verhältnisse ergeben, und auch die (Polito-)Linguistik steht vor neuen Fragen:

  • Kann (und soll) ein Ausdruck wie Rechtspopulismus überhaupt als Terminus in der Linguistik verwendet werden – wiewohl er gleichzeitig als Stigmavokabel im politischen Meinungsstreit dient?
  • Was zeichnet rechtspopulistische Kommunikationsstrategien aus?
  • Und nicht zuletzt: Muss sich die Linguistik angesichts von Bedrohungen demokratischer Errungenschaften nicht auf ihre gesellschaftspolitische Pflicht besinnen und sich eindeutig gegen rechtspopulistische Strömungen positionieren?
  • Wie könnte eine solche Positionierung aussehen? Sollten LinguistInnen dazu das aufklärerische Gespräch mit Rechten suchen oder bedarf es anderer Methoden?

Auf diese und weitere Fragen will und kann der Vortrag keine abschließenden Antworten geben. Er versteht sich eher als (polito-)linguistische Selbsterkundung und als Angebot zur Diskussion.

© Thomas Niehr

Impuls:
"Kommunikationsstrategien der politischen Rechten - Befunde der Politikwissenschaft"


Vortragender: Karl-Rudolf Korte (Universität Duisburg-Essen)
Termin: Dienstag, 11. September 2018
Ort: Campus Essen, Gebäude S04

© Karl-Rudolf Korte

Keynote:
Mehrsprachigkeit Pro und Kontra: aktuelle Perspektiven und Erkenntnisse


Vortragende: Rita Franceschini (Freie Universität Bozen)
Termin: Donnerstag, 13. September 2018, 15.00 - 16.00 Uhr
Ort: Campus Essen, Gebäude S04

Nach einer Phase – in den 50er 60er Jahren des letzten Jahrhunderts –, in der man der Zwei- und Mehrsprachigkeit mit Skepsis begegnete, hat man sich in vielen Kontexten (in der Wissenschaft, in der Bildung und Weiterbildung) fast schon in einen Rausch geredet, in dem fast nur noch die Vorteile der Mehrsprachigkeit hochgelobt wurden. Es mehren sich nun aber gerade in letzter Zeit – und auch aus neurobiologischer Sicht – nicht allein positive Resultate, sodass sich die Unterschiede zwischen ein- und mehrsprachigen Individuen zusehends relativieren. Letztere erscheinen aus solchen breit angelegten, flächendeckenden Studien mit hohen Fallzahlen zusehends nicht allein als exzeptionelle Individuen, sondern als Menschen, die über einen anderen Erfahrungshorizont verfügen aber sich nicht wesentlich von einsprachigen unterscheiden.

Im Vortrag soll mittels eines Forschungsüberblicks der Frage nachgegangen werden, ob in der Wissenschaft sich nicht langsam eine Ära anbahnt, in der nicht mehr so schneidend oder exotisierend zwischen Ein- oder Mehrsprachigen unterscheiden wird, sondern sich die mehrsprachige Erfahrung als normaler Ausgangspunkt  – sozusagen als default-Annahme – langsam etablieren kann. Ferner soll nachgefragt werden, wie sozioökonomische Variablen in dieser Diskussion (wieder?) einen Platz finden sollen.

© Rita Franceschini

Keynote:
Sichtbare Mehrsprachigkeit im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets: Vielfältige Heimat oder befremdliche Zumutung? Bilder, Fakten, Zahlen, Bewertungen und Meinungen


Vortragende: Evelyn Ziegler, Heinz Eickmans, Ulrich Schmitz, Haci-Halil Uslucan (Universität Duisburg-Essen)
Termin: Freitag, 14. September 2018, 9.00 - 10.45 Uhr
Ort: Lichtburg, Kettwiger Straße 36, Essen

In dem mehrjährigen interdisziplinären Forschungsprojekt Metropolenzeichen (gefördert von MERCUR) wurden alle öffentlich sichtbaren Zeichen (Schilder, Aufschriften, Werbung, Graffitis usw.) in acht ausgewählten Stadtteilen der Städte Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund vollständig dokumentiert. Die gut 25.000 Fotos wurden in eine Datenbank importiert, verschlagwortet und systematisch nach sprachwissenschaftlichen, integrationstheoretischen und stadtsoziologischen Gesichtspunkten analysiert. Außerdem wurden im Rahmen einer Telefonumfrage eintausend repräsentativ ausgewählte Bewohnerinnen und Bewohner unterschiedlicher Herkunft befragt, wie sie die Sichtbarkeit der verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch, Arabisch usw.) bewerten. Darüber hinaus wurden zahlreiche Tiefeninterviews mit Passanten, Einzelhändlern und Gastronomen sowie Vertretern öffentlicher Einrichtungen geführt.

In unserem reich bebilderten und allgemein verständlichen Vortrag mit anschließender Diskussion mit dem Publikum werden wir einige der interessantesten Ergebnisse vorstellen:

  • Wie ist der öffentliche Raum überhaupt mit Zeichen ausgestattet?
  • Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Stadtteilen?
  • Wo sieht man welche Sprachen und warum?
  • Wie denkt die Bevölkerung darüber?
  • Was kann man verbessern?

Eingeladen sind Bürgerinnen und Bürger der Region, Schülerinnen und Schüler sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.