"ja wenn die personefreizügigkeit sone eierlegendi wollmilchsau wär..." – Linguistische Untersuchungen zu politischen Argumentationen im Schweizer Fernsehen

Luzia Sauer
13.09.2018, Poster-Session

Öffentliche politische Diskurse ermöglichen Meinungs- und Konsensentwicklung und sind grundlegend für ein funktionierendes politisches System, vor allem für ein direktdemokratisches, wie es in der Schweiz vorliegt. Linguistisch ist die Praktik des politischen Argumentierens in der Schweiz jedoch erst spärlich untersucht worden. Es fehlt die Erforschung sprachlich-kommunikativer Normen argumentativer Kommunikationsprozesse, deren Erkenntnisse beispielsweise für eine verbesserte Strategieentwicklung der öffentlichen politischen Argumentation nützlich sein können.

Dieser GAL-Beitrag bezieht sich auf ein laufendes SNF Forschungsprojekt, welches sich der linguistischen Analyse von gesprochenen öffentlich-politischen Argumentationen in der Schweiz widmet. Mit Start im Januar 2018 steckt das Projekt vorerst noch in Kinderschuhen. Nachfolgend werden die ersten Überlegungen und die Rahmenbedingungen des Projekts näher erläutert – welche zum Zeitpunkt des Kongresses freilich in einer konkreteren Form vorliegen.

Das Forschungsprojekt befasst sich mit politischen Argumentationen, wie sie von professionellen Befürwortern und Gegnern zu eidgenössischen Abstimmungs-Vorlagen im Fernsehen benutzt werden. Als Datengrundlage dienen politische Diskussionsrunden aus der Fernsehshow 'Arena' des öffentlich-rechtlichen Mediensenders SRG. Das Untersuchungsmaterial liegt demnach in Form von gesprochenen Dialogen der Sorte ‘confrontainment’ vor.

Zur linguistischen Analyse soll das Datenmaterial sowohl quantitativ als auch qualitativ untersucht werden. Dabei liegt der Fokus auf der qualitativen Analyse, weshalb die zu analysierende Datenmenge eingeschränkt werden muss. Voraussichtlich wird von detailierten Untersuchungen von fünf Diskussionssendungen ausgegangen.

Erste Beobachtungen zu einer Diskussionsrunde verweisen auf vielfältige Analysemöglichkeiten des Sprechmaterials. Dabei scheinen neben der Erfassung der Makro- und Mikrostruktur von Argumentationen vor allem die Untersuchung der Konfrontations- respektive Konsensorientierung  von Argumentationen, sowie die Erforschung von Ideologien und Positionierungen der Akteure interessant. Auch Analysen von Oberflächenmerkmalen wie Redepausen, Reparaturen, Pronominaverwendung, Floskeln, Intensivierungsindikatoren und Metaphern scheinen reichhaltiges Erforschungsmaterial zur Erfassung politischer Sprachnormen zu liefern. Typische Sprachmuster sollen sowohl für Einzelakteure festgestellt werden (z.B. anhand von Frequenzlisten), als auch für die Politiker als professionelle Vertreter der Schweizer Argumentationskultur.