Entwicklung der L2-Lesekompetenz neu zugewanderter SchülerInnen in der Sekundarstufe I und Möglichkeiten der integrierten und additiven Leseförderung

Christian Gill
13.09.2018, 11.45 Uhr-12.05 Uhr, S06 XX, Symposium X

Der Vortrag diskutiert Befunde einer Untersuchung zur Entwicklung der L2-Lesekompetenz neu zugewanderter SchülerInnen im ersten Schuljahr nach dem vollständigen Übergang in den Regelunterricht. Ergebnisse der Breitenstudie, die an 15 Schulen in Bremen und Hamburg durchgeführt wurde, werden durch qualitative ergänzt, die u.a. das Lesestrategienrepertoire von ausgewählten SchülerInnen mit Erstliteralisierung im Arabischen beleuchtet. Auf dieser Basis sollen Implikationen für eine gezielte integrierte und additive Leseförderung aufgezeigt werden.

Entwicklung der L2-Lesekompetenz neu zugewanderter SchülerInnen in der Sekundarstufe I und Möglichkeiten der integrierten und additiven Leseförderung

Die Migrationsbewegungen der letzten Jahre, die vornehmlich durch die Flucht vor Krieg und Verfolgung, aber auch durch die EU-Binnenwanderung bedingt sind, führten wie in der gesamten Bundesrepublik auch in Bremen und Hamburg zu einem starken Anstieg der Zahl der in Vorkursen und Internationalen Vorbereitungsklassen unterrichteten SchülerInnen (vgl. Massumi et al. 2015: 48f.). Ein Ziel dieser Sprachfördermaßnahmen in der Sekundarstufe I besteht darin, die zweitsprachliche Lesekompetenz so auszubilden, dass eine Teilnahme am Regelunterricht ermöglicht wird. Bisher liegen allerdings keine empirisch gesicherten Befunde zur Frage vor, ob die Lesekompetenz nach dem vollständigen Übergang in die Regelklasse ausreicht, um die geforderten Texte zu bewältigen. Zudem wurde noch nicht untersucht, wie sich die L2-Lesekompetenz (vgl. Grabe 2010: 130ff.) nach dem vollständigen Übergang in den Regelunterricht entwickelt. Der Vortrag berichtet von einer longitudinalen Studie, im Rahmen derer Teilfertigkeiten der Lesekompetenz neu zugewanderter SchülerInnen des 7. und 8. Jahrgangs mit denen der RegelschülerInnen der aufnehmenden Klassen im Laufe eines kompletten Schuljahres verglichen wurden. Da sich die fokussierte Schülerklientel neben ihrer Heterogenität durch Fluktuation auszeichnet, wurden Daten an insgesamt 15 Schulen erhoben (n=568). Als Messinstrumente der Breitenstudie dienten sowohl normierte Lesetests als auch in unterschiedlichen Fächern eingesetzte Lesetexte. Neben dem Produkt rückte die Prozessperspektive in den Fokus, indem in einer Tiefenstudie u.a. das Lesestrategienrepertoire von sechs neu zugewanderten SchülerInnen mit Erstliteralisierung im Arabischen untersucht wurde. Im Vortrag soll der Erwerbsverlauf für SeiteneinsteigerInnen im Kontext der Regelbeschulung nachgezeichnet werden. Auf der Basis der statistischen Analyse der Testdaten (ANOVAs mit Messwiederholungen) werden die im Rahmen der qualitativen Tiefenstudie ermittelten Unterschiede zwischen starken und schwachen LeserInnen diskutiert und Implikationen für eine gezielte Leseförderung im Rahmen des Regelunterrichts und der additiven Anschlussförderung aufgezeigt.

 

Literaur
Grabe, William (2010): Reading in a Second Language. Moving from Theory to Practice. Cambridge: Cambridge University Press.

Massumi, Mona/ von Dewitz, Nora/ Grießbach, Johanna/ Terhart, Henrike/ Wagner, Katarina/ Hippmann, Kathrin/ Altinay, Lale (2015): Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im deutschen Schulsystem. Bestandsaufnahme und Empfehlungen. Köln: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln.