Einflussfaktoren auf den Sprachenlernprozess der Fremd-/Zweitsprache Deutsch bei Lernenden aus Syrien, Afghanistan und Äthiopien.

Katharina Braunagel
13.09.2018, Poster-Session

In den Kursen „Deutsch für geflüchtete Studieninteressierte“ an der Technischen Universität Darmstadt wird festgestellt, dass geflüchtete Akademiker*innen verschiedener Herkunftsländer unterschiedlich schnell sowie erfolgreich Deutsch lernen: Lernende aus Syrien kommen offenbar gut voran, Lernenden aus Afghanistan scheint das Deutschlernen schwerer zu fallen, wohingegen Lernende aus Somalia, Eritrea und Äthiopien tendenziell den geringsten Erfolg aufweisen und die Kurse häufig abbrechen. Daher stellt sich die Frage, worin die Ursachen für diesen interindividuell stabilen Unterschied liegen.

Die durchgeführte Studie zu den Einflussfaktoren auf den Sprachenlernprozess der Fremd-/Zweitsprache Deutsch bei Lernenden aus Syrien, Afghanistan und Äthiopien beschäftigt sich mit der Frage, welche Einflussfaktoren beim Lernen der deutschen Sprache eine generelle sowie eine steuernde Rolle spielen und fokussiert die Hypothese, dass insbesondere die Bildungssozialisation der Lernenden für den Lernerfolg beim Deutschlernen entscheidend ist. Die qualitative leitfadengestützte Interviewstudie orientiert sich an der theoretischen Grundlage des Faktorenmodells 2.0 nach Hufeisen (2010) und deckt somit verschiedene Einflussfaktoren auf das Sprachenlernen in der L1, L2, L3, Lx ab. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Fragenkomplex zur Bildungssozialisation der Lernenden sowie zu den Bildungssystemen in den Herkunftsländern.

Erste Erkenntnisse im aktuell laufenden Datenaufbereitungs- und Auswertungsprozess lassen vermuten, dass die aufgestellte These weitestgehend zu bestätigen ist: Es ist anzunehmen, dass die herkunftslandspezifisch unterschiedlichen Lernerfolge darin begründet sein könnten, dass in Syrien bis zum Kriegsbeginn ein ausgeprägtes Bildungssystem existierte, welches die Befragten durchlaufen konnten – in Afghanistan und Äthiopien allerdings nicht. Durch anhaltende Konflikte und Kriege wird der Aufbau eines funktionierenden Bildungssystems in diesen Ländern erschwert, sodass die befragten Lernenden im Unterschied zu denjenigen aus Syrien an keine ausgeprägten Bildungsstrukturen anknüpfen können. In der Poster-Präsentation werden weitere Ergebnisse dieser Studie vorgestellt.

Literatur
Hufeisen, Britta (2010): Theoretische Fundierung multiplen Sprachenlernens – Faktorenmodell 2.0, in: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 36, S. 200–207.