Diskurslinguistik für Fans. Kritisches Monitoring der Fußballberichterstattung als Gegenstand und Ziel der Diskurslinguistik

Simon Meier
12.09.2018, 09.00 Uhr-09.45 Uhr, S06 XX, Symposium V

Während in der Soziologie die Fanforschung längst etabliert ist (Roose/Schäfer/Schmidt-Lux 2010), liegen linguistische Beiträge nur vereinzelt vor (etwa Klemm 2012). Dabei bietet die Fankommunikation mit ihren typischen Praktiken, Textsorten und kommunikativen Gattungen überaus reichhaltiges Anschauungsmaterial etwa für Fragen nach Praktiken sozialer Positionierung. Die in der Soziologie breit diskutierte subversive Seite von Fankommunikation, die sich in subtilen „Praktiken des Widerstandes gegen dominante Bedeutungen und Sinnstrukturen“ (Winter 2010, S. 162) zeigt, böte auch Anknüpfungspunkte für die (kritische) Diskurslinguistik, zumal über das Social Web große Datenmengen verfügbar sind, die mit korpuslinguistischen Methoden erschlossen und ausgewertet werden können.

Im Vortrag werde ich webbasierter Kommunikation von Fußballfans etwa in Blogs, die häufig die ‚kommerzialisierten‘ Deutungsangebote der ‚Mainstreammedien‘ kritisch begleiten (Giulianotti 2002; U. Merkel 2012), aus einer diskurslinguistischen Perspektive in den Blick nehmen. Die fanseitige Medienkritik wird zunächst Gegenstand sein und etwa auf wiederkehrende Argumentationsmuster hin untersucht. Anschließend werde ich Möglichkeiten des Transfers der so erzielten Erkenntnisse diskutieren. Diese folgen selbst kritischen Impulsen, indem sie die Stereotypik der Fußballberichterstattung wie auch der fanseitigen Kritik an ihr aufzeigen und hier Korrektivangebote machen können.