Digitale No-Gos? Vom schwierigen Einsatz von Bildern in Online-Diskursen

Janina Wildfeuer
13.09.2018, 11.00 Uhr-12.30 Uhr, S06 XX, Symposium VIII

Der Gebrauch von Bildern in den Medien unseres Alltags ist heute nicht mehr wegzudenken. Smartphones und die darin eingebauten und für jeden Nutzer leicht zu bedienenden Kameras ermöglichen neben den üblichen Schnappschüssen längst auch eine (semi-)professionelle Arbeit mit Videos, Audiodateien und vielfach bearbeiteten Bildern. Mobile Internettarife und die generelle ‚always on‘-Affinität ermöglichen dann das sofortige Bereitstellen und Teilen dieser Inhalte im Netz – ganz gleich ob es sich um Katzenfotos oder die Ermordung eines Polizisten durch Terroristen handelt. Besonders die im Zuge des Pariser Charlie-Hebdo-Attentats veröffentlichten Bilder eines Passanten und die sofortige Weiterverbreitung durch verschiedenste Nachrichtensender hat zu umfangreichen Diskussionen geführt, die die Frage nach der Macht der Bilder und ihrer Verarbeitung in digitalen Diskursen neu stellen (vgl. dazu Pörksen/ Detel 2012). Denn nicht nur Privatmenschen machen Fehler im Gebrauch von Bildern im Internet. Immer öfter finden sich auch Debatten über den fragwürdigen Einsatz visueller Informationen in Werbeanzeigen oder auf Titelblättern. Journalisten und Werbemachern wird dann häufig vorgeworfen, zu wenig über die Bedeutungsmöglichkeiten von Bildern nachzudenken.

Der Vortrag will diese Problematik aus einer linguistischen und multimodal-analytischen Perspektive beleuchten und über genau diese Bedeutungsmöglichkeiten und ihre systematische Erfassung nachdenken. Was genau sagen Bilder (ggf. in Kombination mit Sprache und anderen semiotischen Ressourcen) eigentlich aus und was kann man in ihnen noch erkennen? Welche Aussagen über soziale und kulturelle Werte werden damit getroffen? Wie handeln diese Bilder und welche Geschichten erzählen sie? Diese Fragen will der Vortrag mithilfe semantischer und pragmatischer Ansätze aus der Diskurslinguistik zu beantworten versuchen, indem er nicht nur nach den Ursachen und Wirkungen solcher aktueller Bildwelten fragt, sondern auch und vor allem nach ihrer tatsächlichen Bedeutung und der Rolle, die sie im Zusammenspiel mit verbalen Informationen einnehmen. Hierzu sollen mithilfe von kurzen Beispielen aus dem Social-Media-Bereich (v.a. Twitter und Instagram) multimodal-linguistische Analyseansätze (vgl. Bateman/ Wildfeuer/ Hiippala 2017) im Hinblick auf ihre Anschlussfähigkeit an diskurslinguistische Methoden überprüft werden. Abschließend kann dann auch diskutiert werden, welche Arbeit diese Ansätze für eine interdisziplinäre Herangehensweise im Sinne einer Mixed-Methods-Forschungsstrategie leisten können (vgl. O’Halloran et al. 2018).

 

Literatur
Bateman, J. A./ Wildfeuer, J./ Hiippala, T. (2017): Multimodality. Foundations, Research, Analysis. A Problem-Oriented Introduction. Berlin, New York: de Gruyter.

O’Halloran, Kay L./ Tan, Sabine/ Pham, Duc-Son; Bateman, John, Vande Moere, Andrew (2018): „A Digital Mixed Methods Research Design: Integrating Multimodal Analysis with Data Mining and Information Vizualization for Big Data Analytics“. Journal of Mixed Methods Research 12(1): 11-30. DOI: 10.1177/1558689816651015.

Pörksen, B./ Detel, H. (2012): Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Köln: Herbert von Halem.