Die diskursive Verhandlung von Big Data in politischen Kampagnen. Ein Ländervergleich Deutschland, Großbritannien und die USA

Christian Pentzold/Lena Fölsche
14.09.2018, 12.00 Uhr-12.45 Uhr, S06 XX, Symposium VIII

In dem Vortrag werden die datenbasierten Abbildungsverhältnisse, Regulierungsabsichten und Repräsentationsbeziehungen in der Wahlkampfberichterstattung in Deutschland, Großbritannien und den USA rekonstruiert. Im Kern erfasst die Studie die medienöffentliche Debatte um datenbasierte Wahlkämpfe - nicht die reale Praxis, auf welche Weise politische Strategien aggregierte Daten und darauf basierte Analyseverfahren nutzen. Untersucht wird vielmehr die zentrale Dimension der öffentlichen Verhandlung und Bewertung datenbasierter Politik, die wesentlich deren Akzeptanz, Legitimierung und gesellschaftliche Reflexion bestimmt.

Entsprechend bearbeitet der Vortrag Big Data-basierte politische Praktiken und diskursive Zuschreibungen in ländervergleichender Perspektive. Genutzt wird dabei ein qualitativ-verstehendes diskursanalytisches Design. Es erfasst, welche Bedeutung und welche Bedeutsamkeit Daten in Wahlkampfaktivitäten zugeschrieben werden. Gefragt wird: Wie wird das Verhältnis von Daten und gesellschaftlicher Realität in öffentlichen Diskursen verhandelt (FF1)? Inwiefern wird die Repräsentativität der in Daten abgebildeten und aus diesen resultierenden Willensbekundungen, Aktivitäten oder Relationen thematisiert bzw. problematisiert (FF2)? Inwiefern werden im öffentlichen Diskurs die analytischen Praktiken in Bezug gesetzt zum politischen System, insbesondere Wahlsystem, sowie der politischen Kultur, vor allem im Blick auf das Parteienverhältnis und die Formen des Wahlkampfs (FF3)?

Die im Vortrag vorgestellte Studie konzentriert sich auf Mediendiskurse, die sich in Artikeln aus etablierten, professionellen journalistischen Quellen sowie Kommunikaten in sozialen Medien konstituieren. Das Gesamtsample besteht aus 163 Analyseeinheiten. Die Studie ist komparatistisch angelegt und vergleicht Deutschland, Großbritannien und die USA. Die USA sind aus verschiedenen Gründen der „incubation space“ (Anstead 2017) datenbasierter politischer Praxis, während Großbritannien und Deutschland zwar als G8-Staaten technisch und wirtschaftlich entwickelte Demokratien sind, doch in der Implementierung und öffentlichen Aufarbeitung der Rolle und Funktion von Daten im Wahlkampf noch am Anfang stehen. Im Fokus der Analyse stehen drei Zeiträume: die 58. Präsidentschaftswahl in den USA (Vorwahlen und Präsidentschaftswahlkampf 2016), die Wahl zum britischen Unterhaus (2017) sowie die 19. Bundestagswahl (2017).