Das didaktische Potenzial von LL - am Beispiel der universitären Niederdeutschvermittlung

Birte Arendt/Ulrike Stern
12.09.2018, 11.20 Uhr-11.40 Uhr, S06 XX, Symposium II

Während sich der Ansatz der Linguistic Landscapes in der universitären Lehre nach und nach etabliert hat, ist die Integration in didaktische, genuin sprachvermittelnde Kontexte noch weitgehend marginal. Das ist insofern problematisch, als dass der Ansatz über die Beschreibung multilingualer Praktiken und entsprechender Ideologien hinaus Potenzial insbesondere in der Fremdsprachvermittlung besitzt.

Wir gehen davon aus, dass der LL-Ansatz sowohl im Rahmen von institutionalisierten Sprachvermittlungsprozessen als auch zur Unterstützung von individuellen Spracherwerbsprozessen in Bezug auf die Regionalsprache Niederdeutsch fruchtbar einsetzbar ist. An der Universität Greifswald wird sowohl im Rahmen der Beifachausbildung Niederdeutsch als auch in Fortbildungsmaßnahmen für angehende NiederdeutschlehrerInnen das didaktische Potenzial des LL-Ansatzes erprobt.  Dabei erscheint es nicht nur möglich, unterschiedliche Kompetenzbereiche anzusprechen, indem diskriminatorisch-rezeptive Fähigkeiten ebenso geschult werden wie integrativ-produktive und sprachreflexive Kenntnisse, sondern auch Aufgaben auf unterschiedlichen Niveaustufen zu entwickeln.

Anhand von Ergebnissen aus studentischen Projekten wird der Vortrag Ansätze, authentische Befunde wie auch Problemfelder einer Didaktisierung von Linguistic Landscapes im Kontext der Sprachvermittlung am Beispiel des Niederdeutschen skizzieren.

Hierzu werden das didaktische Konzept (basierend auf einem konstruktivistischen Lernbegriff) sowie studentische Portfolio-Arbeiten aus dem Spracherwerbskurs „Plattdeutsch I“, das eine dominant rezeptionsorientierte Zielstellung (A2) besitzt, vorgestellt und ausgewertet. Die LL-inspirierten Aufgaben folgen einer Lernprogression, die von Spracherkennung und -dokumentation (Karte) über die kriteriengeleitete Reflexion/Erarbeitung bis hin zu kontextualisierter Anwendung und entsprechendem Transfer reicht. Darüber hinaus werden mittels des Ansatzes soziolinguistische Kompetenzen zu typischen Verwendungssituation sowie ihrer evaluativen Einordnung ermöglicht.