Das berufliche Selbstkonzept von Lehrenden in Klassen für studierwillige Geflüchtete an Hochschulen – Zum Vorgehen einer explorative Studie

Christoph Merkelbach
14.09.2018, 13.15 Uhr-13.35 Uhr, S06 XX, Symposium X

Seit Januar 2016 bietet die TU Darmstadt Deutschkurse für studierwillige Geflüchtete an. Nach einer Campusführung können die Geflüchteten an einem eineinhalbjährigen studienvorbereitenden Sprachkurs am Sprachenzentrum der TU Darmstadt teilnehmen. Dieser führt i.d.R. auf das Niveau C1. Anschließend können die DSH oder die TestDaF-Prüfungen abgelegt werden, um sich für ein Studium zu bewerben.

Dieses kompakte studienvorbereitende Programm erwartet von den Geflüchteten ein hohes Engagement, was in der Regel auch mitgebracht wird. Gleichzeitig stehen auch den Lehrenden hohen Erwartungen seitens der Geflüchteten aber auch der Institutionen gegenüber, denen sie versuchen, gerecht werden zu müssen.

Die Studie möchte sich explorativ dem beruflichen Selbstkonzept der Lehrenden in den studienvorbereitenden Klassen an Hochschulen nähern. Bisher stehen fast ausschließlich die Geflüchteten und auch die ehrenamtlich Helfenden im Fokus der Aufmerksamkeit. Es wird zu Recht davon ausgegangen, dass die genannten Gruppen verstärkt untersucht werden müssen: Geflüchtete stehen in einer besonderen Lebenssituation, in der das Lernen einer fremden Sprache existenziell wichtig ist. Ehrenamtliche Helfende nehmen eine (fast) neue Rolle im DaZ-Unterricht ein, die stark von einem zivilgesellschaftlichen Engagement getragen wird.

Das berufliche Selbstkonzept von Sprachenlehrenden, besonders an Hochschulen, ist weitgehend unerforscht. Caspari (2003) hat in ihrer Habilitation das Selbstverständnis von Fremdsprachenlehrenden, allerdings an Gymnasien und Realschulen, untersucht. Dabei erlaubt sie mithilfe von qualitativer Datenerhebung einen berufsbiografischen und kompetenztheoretischen Zugriff auf das berufliche Selbstverständnis von Fremdsprachenlehrenden an diesen Schulformen.

Die Situation an Hochschulen und Universitäten, die studienvorbereitende Sprachenkurse für studierwillige Geflüchtete ausrichten, unterscheidet sich für die Lehrenden – nicht nur – hinsichtlich folgender Punkte: der persönliche und ökonomische Hintergrund der Kursteilnehmenden, deren Altersstruktur, das unterschiedliche Verständnis von Lernen und Lehren, deren Bildungshintergründe und -erfahrungen, die (Fremd)Sprachen(vor)kenntnisse und -lernerfahrungen sowie die interkulturellen bzw. konkreten Erfahrungen der Lernenden.

Es ist zu beobachten, dass dieses Spanungsfeld nicht nur Einfluss auf die Lernenden hat, sondern auch die Deutschlehrenden an den studienvorbereitenden Sprachkursen vor besondere und teils unerwartete Herausforderungen stellt. Deren Bewältigung beeinflusst das bisher noch nicht ausreichend beforschte berufliche Selbstkonzept der Lehrenden an Hochschulsprachenzentren für diese Adressatengruppe; es hängt aber auch von dem bisherigen beruflichen Selbstkonzept ab.

Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über das Spannungsfeld, in dem die Lehrenden ihre Aufgabe erfüllen und stellt die Ausgangspunkte für die explorative Forschung dar, um sich dem beruflichen Selbstkonzept von Lehrenden in dieser besonderen Situation anzunähern. Dabei muss zunächst überlegt werden, was den Begriff Selbstkonzept von anderen ähnlichen Begriffen (Selbstverständnis, Selbstbild, Selbst etc.) abgrenzt und warum dieser als Kernbegriff für die geplante Studie wichtig ist. Weiterhin werden das Forschungsdesign und der Leitfaden für die geplante explorative Interviewstudie zur Diskussion gestellt.

Literatur
Caspari, Daniela (2003) Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrer. Studien zu ihrem beruflichen Selbstverständnis. Erschienen der Reihe: Gießener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik. Günter Narr Verlag: Tübingen.