Berufsbezogenes Deutsch im Kontext Schule - Welche Textsorten und Gesprächstypen sollten geflüchtete Lehrkräfte beherrschen?

Martin Wichmann
14.09.2018, 12.20 Uhr-12.40 Uhr, S06 XX, Symposium X

Im Rahmen des an der Universität Bielefeld angesiedelten Projekts „Lehrkräfte Plus“ werden geflüchtete Lehrkräfte auf eine Tätigkeit als Vertretungslehrer an Regelschulen vorbereitet. Das Projekt wird von der Bertelsmann-Stiftung gefördert und gemeinsam von der Bielefeld School of Education (BiSEd) und dem Deutschlernzentrum PunktUm durchgeführt.

Teil des Sprachlernangebots ist u.a. ein berufsbezogenes Deutschlernangebot. Dieses steht im Zentrum des vorliegenden Beitrags. Eingangs wird ein Tableau vorgestellt, das das kommunikative Lehrerhandeln im Kontext Schule im Überblick darstellt.

Darauf aufbauend wird das Modul „Berufsbezogenes Deutsch“ näher beschrieben. Dabei wird eingangs die Auswahl der behandelten Textsorten und Gesprächstypen begründet. Relevante Forschungsergebnisse aus Linguistik (z.B. Becker-Mrotzek/ Vogt 2009) und Fremdsprachenforschung werden im Überblick dargestellt.

Im Zentrum des Beitrags steht die konkrete didaktische Umsetzung der Forschungsergebnisse. Dabei sind folgende Fragen – gerade im Hinblick auf die Zielgruppe der geflüchteten Lehrkräfte – relevant:

  • Wie können die Forschungsergebnisse angemessen didaktisiert werden und was bedeutet dies für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien?
  • Welche sprachlichen und methodisch-didaktischen Herausforderungen impliziert die Arbeit mit empirischen Daten (v.a. mit Transkripten)?
  • Wie kann das Spannungsverhältnis zwischen linguistischen Forschungsergebnissen und pädagogischer Ratgeberliteratur angemessen berücksichtigt werden? Was bedeutet dies für die didaktische Vermittlung?
  • Welche Vorgehensweise ist bei einer linguistisch schwachen Ergebnislage aus didaktischer Sicht sinnvoll? Welche Implikationen hat dies für das Curriculum der behandelten Textsorten und Gesprächstypen, das primär von den kommunikativen Erfordernissen im Kontext Schule ausgehen sollte?

Einige dieser Fragen werden exemplarisch anhand des Gesprächstyps Elterngespräch vertieft. Der Gesprächstyp ist dem Handlungsmuster Beraten zuzuordnen. Beraten bildet eine zentrale kommunikative Tätigkeit im (Alltags-) Handeln von Lehrkräften. Zwar wird innerlinguistisch die z.T. geringe Datenbasis der Analysen problematisiert, doch kann dieser Gesprächstyp inzwischen als gut erforscht gelten. So liegen inzwischen zahlreiche linguistische Arbeiten zu Elterngesprächen vor (Mundwiler 2017, Wegner 2016, Hauser/Mundwiler 2015, Kotthoff 2012). Auf der Basis der Forschungsergebnisse wird diskutiert, wie eine sinnvolle didaktische Umsetzung realisiert werden kann. Dies wird anhand konkreter Beispiele und Materialien aus der Unterrichtspraxis diskutiert. Auch muss dabei berücksichtigt werden, dass Elterngespräche – wie das Handlungsmuster Beraten allgemein – in der Ausbildung der Vertretungslehrer tendenziell erst später relevant werden, während die Gestaltung der Unterrichtskommunikation von Beginn an zum Tragen kommt.

Abschließend werden weiterführende Fragen und Diskussionspunkte formuliert.

 

Literatur
Becker-Mrotzek, Michael/Vogt, Rüdiger (2009): Unterrichtskommunikation. Linguistische Analysemethoden und Forschungsergebnisse. 2., aktual. und erw. Aufl. Tübingen: Niemeyer.

Hauser, Stefan/Mundwiler, Vera (Hg.) (2015): Sprachliche Interaktion in schulischen Elterngesprächen. Bern: hep.

Kotthoff, Helga (2012): Lehrer(inne)n und Eltern in Sprechstunden an Grund- und Förderschulen – Zur interaktionalen Soziolinguistik eines institutionellen Gesprächstyps. In: Gesprächsforschung 13, 290-301.

Mundwiler, Vera (2017): Beurteilungsgespräche in der Schule. Eine gesprächsanalytische Studie zur Interaktion zwischen Lehrpersonen, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern. Tübingen: Narr Francke Attempto.

Wegner, Lars (2016): Lehrkraft-Eltern-Interaktionen am Elternsprechtag. Eine gesprächs- und gattungsanalytische Untersuchung. Berlin: de Gruyter.